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Dynamische Stromtarife ab 2026: Wann sich Solar und Speicher plötzlich doppelt rentieren

Dynamische Stromtarife ab 2026: Wann sich Solar und Speicher plötzlich doppelt rentieren

Ivan Miric·

Per 1. Januar 2026 ist mit dem zweiten Paket des Stromgesetzes (Mantelerlass) die rechtliche Grundlage für dynamische Stromtarife in Kraft getreten. EKZ hat als eines der ersten grossen Schweizer EVU ab demselben Datum einen dynamischen Wahltarif lanciert, bei dem sich Energie- und Netznutzungspreis im 15-Minuten-Takt verändern. CKW ist ebenfalls gestartet, weitere Werke ziehen 2026 nach. Die spannende Frage für Hausbesitzer mit Solar oder Speicher: Was bringt das in CHF?

Kurze Antwort: Bei der heute typischen Spreizung zwischen Tageshoch und Nachttief von rund 20 bis 25 Rp./kWh kann ein 10-kWh-Speicher zusätzlich CHF 400 bis CHF 600 pro Jahr generieren, allein durch zeitliche Verschiebung. Dazu kommt der normale Eigenverbrauchsvorteil aus der PV-Anlage. Aber: Es gibt Voraussetzungen, und nicht jeder Haushalt profitiert. Wir zerlegen es.

Was sich rechtlich genau ändert

Der Mantelerlass, vom Schweizer Stimmvolk am 9. Juni 2024 mit 68.7 Prozent Ja-Stimmen angenommen, schafft in der angepassten Stromversorgungsverordnung (StromVV) die Grundlage dafür, dass Verteilnetzbetreiber zeitvariable Tarife anbieten können und müssen, sofern Kundinnen und Kunden über einen intelligenten Stromzähler (Smart Meter) verfügen. Die ElCom als Regulator überwacht, dass die Tarifgestaltung nicht missbräuchlich ist und tatsächlich netzdienliche Anreize setzt.

Wichtig: Dynamische Tarife sind ab 2026 ein zwingendes Angebot, aber keine Pflicht für den Endkunden. Wer nichts ändert, bleibt im klassischen Hoch-/Niedertarif oder einem quartalsweise berechneten Einheitstarif. Wer aktiv wechseln will, braucht einen Smart Meter und in den meisten Fällen ein Energiemanagementsystem (EMS), das Wärmepumpe, Elektroauto oder Batterie automatisch in die günstigen Stunden verschiebt.

Smart-Meter-Status in der Deutschschweiz

Voraussetzung für jeden dynamischen Tarif ist der Smart Meter am Hausanschluss. Gemäss Stromversorgungsverordnung müssen die Verteilnetzbetreiber bis Ende 2027 mindestens 80 Prozent ihrer Endkundinnen und Endkunden mit intelligenten Messsystemen ausgerüstet haben. Stand Sommer 2025 lag der nationale Schnitt laut BFE bei rund 50 Prozent, mit grossen regionalen Unterschieden. EWZ in der Stadt Zürich, EKZ im Kanton Zürich und BKW in Bern sind weit fortgeschritten, während kleinere Werke im Tessin und der Westschweiz noch aufholen. Die Kosten für den Zähler trägt das EVU im Rahmen der Netzkosten, neu ausgewiesen als separater Messtarif (bei IWB beispielsweise CHF 4.86 pro Monat).

Wie der EKZ-Wahltarif konkret funktioniert

Beim EKZ Dynamischer Tarif 2026 verändern sich Energie- und Netznutzungstarif viertelstündlich. Die Werte für den Folgetag werden jeweils ab 18 Uhr an Ihr EMS übermittelt. Die Bandbreite ist regulatorisch gedeckelt: maximal +15 Rp./kWh über und -5 Rp./kWh unter dem regulären Standardtarif. In der Praxis heisst das: Bei einem EKZ-Standardtarif von rund 27 Rp./kWh bewegt sich der dynamische Tarif typischerweise zwischen 22 und 42 Rp./kWh, wobei die teuren Stunden vor allem an Winterabenden zwischen 17 und 20 Uhr auftreten.

EKZ selbst formuliert es ehrlich: Der Tarif ist nicht sinnvoll ohne automatisches EMS. Wer abends fernsehen, kochen und waschen will, wann immer es ihm passt, spart unter dem dynamischen Tarif meist nichts und kann sogar mehr zahlen. Wer flexible Verbraucher hat (Wärmepumpe, Boiler, E-Auto-Ladung, Heimspeicher) und diese clever steuern lässt, kann deutlich profitieren.

Die neue Solar-Mathematik

Spannend wird es für Hausbesitzer mit PV. Im klassischen Modell rechnet sich der Eigenverbrauch über die Differenz zwischen Bezugstarif (rund 27 Rp./kWh) und Einspeisevergütung (in der Deutschschweiz typisch 8 bis 15 Rp./kWh je EVU, Pronovo-Referenzpreis 2025 rund 7 Rp./kWh). Eigenverbrauchsdifferenz: rund 15 Rp./kWh.

Mit dynamischem Bezugstarif öffnet sich eine zweite Ertragsschiene: Arbitrage über den Speicher. Beispiel: Ihr Speicher lädt nachts mit Netzstrom zu 5 Rp./kWh und entlädt am Winterabend zu 40 Rp./kWh. Bruttogewinn pro Zyklus: 35 Rp./kWh. Bei einem 10-kWh-Speicher und realistisch 200 zusätzlichen Arbitragezyklen pro Jahr (zusätzlich zu den Solar-Eigenverbrauchszyklen) ergibt das brutto CHF 700. Nach Abzug von Speicherverlusten (rund 10 Prozent) und Zyklenkosten (rund 5 Rp./kWh über die Speicherlebensdauer) bleiben realistisch CHF 400 bis CHF 600 pro Jahr übrig.

Vergleich: Standardtarif vs. dynamischer Tarif

Damit es greifbar wird, drei Haushalte im Vergleich (Annahme EKZ-Gebiet, Verbrauch 4'500 kWh/Jahr):

  • Haushalt A (kein Solar, keine flexiblen Verbraucher): Standardtarif bleibt die bessere Wahl. Dynamischer Tarif würde zu Mehrkosten von schätzungsweise CHF 50 bis CHF 150 pro Jahr führen, weil der Verbrauch in den teuren Abendstunden liegt.
  • Haushalt B (Solar 10 kWp, Wärmepumpe, kein Speicher): Dynamischer Tarif spart rund CHF 150 bis CHF 250 pro Jahr, wenn die Wärmepumpe via EMS in günstige Stunden geschoben wird. Voraussetzung: kompatibles EMS.
  • Haushalt C (Solar 10 kWp, 10-kWh-Speicher, Wärmepumpe, E-Auto): Dynamischer Tarif bringt zusätzlich CHF 400 bis CHF 700 pro Jahr. Der Speicher fährt nicht nur Solarstrom zwischen, sondern auch günstigen Nachtstrom. Das E-Auto lädt zwischen 1 und 5 Uhr.

Speicher-Empfehlung verschiebt sich

Bisher galt in der Schweiz die Faustregel: Speichergrösse ungefähr 1 kWh pro 1 kWp PV-Leistung. Mit dynamischen Tarifen kippt diese Logik. Plötzlich rechnet sich ein Speicher auch ohne grosse PV-Anlage, weil Arbitrage allein einen Teil der Investition tragen kann. Wir bei Free State AG rechnen für unsere Kundinnen und Kunden zunehmend Konfigurationen mit 15- bis 20-kWh-Speichern bei nur 8 bis 10 kWp PV. Vor zwei Jahren wäre das wirtschaftlicher Unsinn gewesen, heute kann es Sinn machen.

Voraussetzung bleibt: Sie müssen die Volatilität aushalten und einen seriösen Anbieter mit transparenter Preisgestaltung wählen. Ein Speicher ohne dynamikfähiges EMS bringt im neuen Regime wenig. Und: Die Mehrkosten für ein vernünftiges EMS (Solar Manager, OpenEMS, gridX, etc.) liegen bei CHF 1'500 bis CHF 3'500, je nach Funktionsumfang.

Wo die Risiken liegen

Wir sind ehrlich: Dynamische Tarife sind nicht für jeden. Drei Risiken, die unsere Beraterinnen aktiv ansprechen:

Volatilität. 2022 lagen die Strommarktpreise zeitweise bei über CHF 1.00 pro kWh. Mit dynamischem Tarif hätte das durchgeschlagen, wenn auch in der Schweiz gedämpft durch regulatorische Bandbreiten. Wer keine Lust auf Preisüberraschungen hat, ist im Standardtarif besser aufgehoben.

Komplexität. Ohne gut konfiguriertes EMS funktioniert das Modell nicht. Wer keine Lust hat, sich einmal pro Jahr durch ein Webinterface zu klicken oder einen Fachmann beizuziehen, sollte beim Einheitstarif bleiben.

Regulatorische Unsicherheit. Die ElCom kann Tarifgestaltungen nachträglich beanstanden. Es ist denkbar, dass einzelne EVU ihre dynamischen Bandbreiten in den nächsten zwei bis drei Jahren anpassen. Wir empfehlen daher, Investitionsentscheide nicht auf einer einzigen Tarifperiode aufzubauen, sondern mit konservativen Spreizungen zu rechnen.

Was Sie 2026 konkret tun können

Wenn Sie eine Solaranlage planen oder bereits besitzen, prüfen Sie in dieser Reihenfolge:

Erstens, ob Ihr Verteilnetzbetreiber bereits einen dynamischen Wahltarif anbietet. Stand Mai 2026 sind das in der Deutschschweiz vor allem EKZ, CKW sowie einige kleinere Werke. BKW, EWZ und IWB haben Pilotprojekte angekündigt, die im Laufe 2026 und 2027 ausrollen sollen. Zweitens, ob Sie einen Smart Meter haben. Wenn nicht, fragen Sie aktiv beim EVU an, oft geht das schneller, als der reguläre Rollout es vorsieht. Drittens, ob ein EMS sinnvoll ist. Bei reinem Haushaltsverbrauch ohne Wärmepumpe oder E-Auto: meist nein. Mit flexiblen Verbrauchern: klares Ja.

Fazit: Doppelt rentieren ja, aber nur mit Hausaufgaben

Dynamische Stromtarife verändern die Wirtschaftlichkeit von Solar und Speicher in der Schweiz tatsächlich fundamental, aber nur für Haushalte, die die technischen und organisatorischen Voraussetzungen mitbringen. Wer Wärmepumpe, E-Auto oder Speicher hat und ein vernünftiges EMS einsetzt, kann jährlich mehrere hundert Franken zusätzlich verdienen. Wer eine Standard-Familie ohne flexible Verbraucher ist, bleibt im klassischen Tarif besser aufgehoben. Das wird sich in den nächsten drei bis fünf Jahren mit dem Smart-Meter-Rollout und sinkenden EMS-Kosten ändern.

Sie überlegen, ob sich Speicher plus dynamischer Tarif für Sie rechnet?

Wir bei Free State AG kennen die aktuellen Tarifblätter von EKZ, CKW, BKW, EWZ und den meisten anderen Schweizer EVU. Wir rechnen Ihre konkrete Konstellation durch, mit und ohne dynamischen Tarif, und sagen Ihnen ehrlich, ob sich der Mehraufwand lohnt. Wenn Ihr Profil zum Standardtarif besser passt, raten wir Ihnen dazu. Termin für eine unverbindliche Berechnung: freestate.ch/de/contact.

Quellen: Stromversorgungsverordnung (StromVV) in der Fassung gültig ab 1.1.2026; VSE, "Stromgesetz (Mantelerlass)", strom.ch; EKZ, "Dynamischer Tarif 2026, Technischer Beschrieb" sowie "Dynamische Wahltarife 2026", ekz.ch; CKW, "Dynamischer Tarif für Privatkunden", ckw.ch; BFE energeiaplus, "Fragen und Antworten zum Smart Meter", 14.11.2024; Pronovo Tarifrechner 2026, pronovo.ch. Stand: Mai 2026. Angaben ohne Gewähr.