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PV-Versicherung im Vergleich 2026: Prämien, Selbstbehalte, Deckung

9 min di letturaIvan Miric
PV-Versicherung im Vergleich 2026: Prämien, Selbstbehalte, Deckung

Eine Solaranlage auf dem Einfamilienhaus ist in den meisten Kantonen versichert, bevor überhaupt jemand über eine Zusatzpolice spricht. 19 öffentlich-rechtliche Gebäudeversicherungen decken in der Schweiz über 2 Millionen Gebäude ab, rund 80 Prozent des Bestands. Die Frage ist deshalb nicht, ob Sie eine Versicherung brauchen, sondern welche Lücke eine Zusatzpolice schliesst und was sie kostet. Kurze Antwort: Spezialpolicen starten bei CHF 99.75 pro Jahr, eine 10-kWp-Anlage mit einer Versicherungssumme von CHF 40'000 kostet rund CHF 100 pro Jahr. Ob dieser Hunderter gut angelegt ist, entscheiden drei Zahlen: Selbstbehalt, Elektronikdeckung und Haftzeit beim Ertragsausfall.

Was die Gebäudeversicherung schon bezahlt

In Kantonen mit eigener Gebäudeversicherungsanstalt ist die Deckung obligatorisch, und die Anlage gilt als Gebäudebestandteil. Versichert sind Feuerschäden inklusive Brand, Blitzschlag und Explosion sowie Elementarschäden, also Sturm, Hagel, Überschwemmung, Lawinen, Schneedruck, Steinschlag und Erdrutsch. Darauf baut jede Zusatzpolice auf.

Sieben Kantone kennen dieses Monopol nicht: Genf, Uri, Schwyz, Tessin, Appenzell Innerrhoden, Wallis und Obwalden. Dort läuft die Feuer- und Elementardeckung über einen privaten Versicherer. Am Leistungsumfang ändert das wenig, an den Konditionen schon. Bei privaten Versicherern gilt für Elementarschäden ein Selbstbehalt von 10 Prozent der Schadensumme, mindestens CHF 500 pro Ereignis. Kantonale Anstalten arbeiten teils mit tieferen Fixbeträgen, die Gebäudeversicherung Zürich verlangt CHF 200 pro Ereignis. Bei Feuerschäden entfällt der Selbstbehalt meist.

Wie ein Hagelschaden abgewickelt wird und warum unsichtbare Mikrorisse das eigentliche Problem sind, steht in Hagel auf der Solaranlage. Dieser Beitrag vergleicht die Produkte, die über die Basisdeckung hinausgehen.

Die vier Lücken, die eine Zusatzpolice schliesst

Die obligatorische Deckung endet dort, wo kein Feuer und kein Naturereignis im Spiel ist. Genau dort liegen die vier Schadenbilder, die am häufigsten teuer werden.

  • Diebstahl und Vandalismus. Module und Wechselrichter sind mobil, wertvoll und schlecht einsehbar montiert.
  • Tierbiss und Marderschäden. Angeknabberte DC-Leitungen legen einen Strang still und sind ohne Thermografie schwer zu finden.
  • Elektronikschäden. Kurzschluss, Überspannung und Spannungsschwankungen treffen den Wechselrichter, das teuerste Einzelteil.
  • Bedienungsfehler. Der falsch geschaltete DC-Trenner oder der beim Dachunterhalt zertretene Modulrand.

Ein fünfter Punkt trennt die Produkte stärker als alles andere: Konstruktions-, Material- und Fabrikationsfehler. Manche Policen schliessen diese aus, andere versichern sie als innere Betriebsschäden mit.

Die Anbieter im Direktvergleich

Der Markt kennt zwei Bauformen: eine eigenständige Police mit eigener Versicherungssumme, oder eine Zusatzdeckung an der bestehenden Gebäudeversicherung. Beides funktioniert, die Details unterscheiden sich deutlich.

  • GVB Solar. Eigenständige Police. Gedeckt sind Vandalismus, Diebstahl, Tierbiss, Kurzschluss, Bedienungsfehler, Feuer und Elementarereignisse, dazu Schadensuch-, Aufräum- und Entsorgungskosten und Folgeschäden am Gebäude. Selbstbehalt CHF 300 pro Ereignis. Ertragsausfall und Mehrkosten bis 25 Prozent der Versicherungssumme, Haftzeit zwei Jahre. Ausgeschlossen sind Konstruktions-, Material- und Fabrikationsfehler. Die Prämie steigt nach einem Schaden nicht.
  • Helvetia Photovoltaikversicherung. Eigenständige Police für die ganze Anlage inklusive Verkabelung, Wechselrichter und Monitoring. Neuwertentschädigung für Module während 10 Jahren, für Batterien im ersten Betriebsjahr, für alle übrigen Komponenten während 5 Jahren. Ertragsausfall ohne Selbstbehalt bei Diebstahl, Feuer und Elementarereignissen, Entschädigung ab dem dritten Ausfalltag, Haftzeit wahlweise 3, 12 oder 24 Monate. Bis CHF 30'000 für De- und Remontage bei plötzlichem Dachschaden.
  • Mobiliar, Zusatzdeckung haustechnische Anlagen. Angehängt an die Gebäudeversicherung. Versichert sind plötzliche und unvorhergesehene technische Beschädigungen, dazu Betriebsschäden wie Konstruktionsfehler, Überspannung und Kurzschluss. Ertragsausfall und Mehrkosten bis 24 Monate.
  • Baloise. Deckt plötzliche und unvorhergesehene Beschädigungen durch falsche Bedienung, mutwillige Beschädigung durch Dritte, Konstruktions-, Material- und Fabrikationsfehler, Kurzschluss, Spannungsschwankungen sowie Tierbiss. Ertragsausfall gedeckt, sofern er auf einem versicherten Sachschaden beruht.
  • Zurich. Versichert Sturm, Hagel, Blitzeinschlag, Material- und Konstruktionsfehler sowie entgangene Einspeisevergütungen. Drei wählbare Selbstbehalte. Der Ertragsausfall wird auch dann entschädigt, wenn der Sachschaden bereits über eine andere Police läuft. Vorsorgedeckung für Erweiterungen bis 20 Prozent der Versicherungssumme, maximal CHF 20'000.
  • AXA. Zusatzdeckung Ausfall der Gebäudetechnik, die Photovoltaik, Solarthermie und Wärmepumpe zusammen abbildet. Der Ertragsausfall ist mitversicherbar. Eine gemeinsame Deckung erspart den Abgrenzungsstreit, wenn eine Überspannung Wechselrichter und Wärmepumpensteuerung gleichzeitig erwischt.

Prämien: was die Police pro Jahr kostet

Die Prämie richtet sich nach der Versicherungssumme, und diese entspricht dem Preis einer gleichwertigen neuen Anlage inklusive Nebenkosten. Für eine 10-kWp-Anlage liegt der Bruttopreis heute bei CHF 25'000 bis 30'000, also bei CHF 2'400 bis 3'200 pro kWp. Versichert wird der Neuwert, nicht der Betrag nach Abzug der Einmalvergütung.

  • Minimalprämie CHF 99.75 pro Jahr inklusive Stempelabgabe für eine eigenständige Police. Bei CHF 40'000 Versicherungssumme liegt die Jahresprämie bei rund CHF 100.
  • Ab CHF 80 pro Jahr für eine Zusatzdeckung an der Gebäudeversicherung eines durchschnittlichen Einfamilienhauses.
  • Wenige Franken pro Jahr, wenn die Anlage nur den Versicherungswert des Gebäudes erhöht und keine separate Deckung dazukommt.

Zum Vergleich: Der laufende Unterhalt kostet rund CHF 250 pro Jahr, etwa ein Prozent der Investition. Details dazu in Was kostet eine PV-Anlage wirklich.

Selbstbehalt: hier laufen die Policen auseinander

Der Selbstbehalt entscheidet, ob eine Police im Alltag überhaupt greift. Ein Marderschaden an einer DC-Leitung kostet mit Fehlersuche, Material und Montage schnell CHF 800 bis 1'500. Bei CHF 300 pro Ereignis bleibt eine echte Entschädigung übrig, bei prozentualem Selbstbehalt mit hohem Mindestbetrag ist derselbe Schaden unversichert.

Drei Punkte gehören deshalb in die Offerte: der Selbstbehalt für Sachschäden, jener für den Ertragsausfall und die Karenzfrist. Ein Anbieter entschädigt den Ertragsausfall ohne Selbstbehalt, zahlt aber erst ab dem dritten Tag. Ein anderer arbeitet mit fester Haftzeit und festem Selbstbehalt.

Ertragsausfall: die Deckung, die fast immer zu gross gekauft wird

Rechnen wir das durch. Einfamilienhaus im Mittelland, 10 kWp, spezifischer Ertrag von 850 bis 1'000 kWh pro kWp und Jahr, also rund 9'000 kWh im Jahr. Im Juni zerstört eine Überspannung nach einem Blitzeinschlag den Wechselrichter, Ersatz und Montage dauern sechs Wochen. Sechs Sommerwochen liefern überdurchschnittlich viel, wir rechnen mit rund 1'400 kWh entgangener Produktion. Davon hätten Sie etwa 30 Prozent selbst verbraucht, also 420 kWh, die Sie nun zukaufen. Der Medianhaushalt zahlt 2026 27.7 Rp./kWh, das ergibt CHF 116. Die restlichen 980 kWh wären ins Netz geflossen. Rückliefertarife liegen 2026 meist zwischen 6 und 20 Rp./kWh, gerechnet mit 9 Rp. sind das CHF 88. Der Ertragsausfall beträgt rund CHF 205.

Der Sachschaden dagegen liegt bei CHF 1'700 bis 3'000 für einen neuen Wechselrichter inklusive Montage. Deckelt eine Police den Ertragsausfall auf 25 Prozent der Versicherungssumme, sind das bei CHF 28'000 Neuwert rund CHF 7'000, also das Vierunddreissigfache dessen, was hier anfällt. Kaufen Sie die Police deshalb wegen der Sachdeckung und eines tiefen Selbstbehalts, nicht wegen einer langen Haftzeit. Diese ist für fremdfinanzierte Anlagen gedacht.

Über die Nutzungsdauer gerechnet: CHF 100 Prämie mal 25 Jahre ergibt CHF 2'500. Ein gedeckter Elektronikschaden von CHF 3'000 abzüglich CHF 300 Selbstbehalt bringt CHF 2'700 zurück. Die Police rechnet sich also bereits bei einem einzigen grösseren Schaden, der nicht von Feuer oder Naturgefahr stammt.

Meldepflicht und Neuschatzung: der Kantonsunterschied

Die zweite Fehlerquelle nach der Deckungswahl ist die Meldung. Die Gebäudeversicherungen der Kantone Zürich und Bern verlangen bei der Installation eine Meldung mit Angabe der Erstellungskosten. Wertvermehrende Investitionen bis CHF 50'000 lassen sich schriftlich und ohne Schätzung versichern. Liegt der Mehrwert darüber oder über 50 Prozent des bisherigen Versicherungswerts, ist die Meldung vor Baubeginn fällig. Im Kanton St. Gallen erfolgt ab einem Neuwert von CHF 30'000 eine Neuschatzung.

Wer das vergisst, ist unterversichert, und die nachträgliche Klärung verzögert die Auszahlung genau dann, wenn das Dach offen ist.

Hagel: die Widerstandsklasse gehört zur Versicherungsfrage

Hagel verursacht in der Schweiz jedes Jahr Gebäudeschäden von fast CHF 100 Millionen und macht 40.7 Prozent der Naturgefahren-Schadensumme an Gebäuden aus. Die Gebäudeversicherung des Kantons St. Gallen verbuchte im Rekordjahr 2021 CHF 56.8 Millionen Schaden, davon CHF 21.5 Millionen aus Hagel. Für Solarmodule gibt es dafür eine eigene Skala: Die Hagelwiderstandsklassen reichen von HW1 bis HW5, HW1 hält Körnern von 10 mm stand, HW5 solchen von 50 mm. In den meisten Regionen wird heute HW3 verlangt, also 30 mm. Die Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen führt dazu ein frei zugängliches Hagelregister.

Diese Klassen sind keine Garantie. Beim Hagelzug in der Region Locarno im August 2023 erreichten die Körner 5 bis 7 cm und lagen über allem, was zertifiziert war. Prüfen Sie deshalb vor dem Kauf, welche Klasse die offerierten Module tragen, und lassen Sie nach einem Hagelereignis auch dann begutachten, wenn von unten nichts sichtbar ist. Ändert ein Modultausch die Anlagenleistung, ist das Pronovo zu melden.

Wann sich eine Allgefahrenversicherung nicht lohnt

  • Kleine Anlagen unter rund 6 kWp. Greift die Minimalprämie von CHF 99.75 unabhängig von der Versicherungssumme, zahlen Sie bei CHF 15'000 Neuwert pro versichertem Franken fast doppelt so viel wie bei CHF 40'000.
  • Die ersten Betriebsjahre bei starker Herstellergarantie. Wechselrichter der grossen Hersteller kommen mit 5 bis 10 Jahren Standardgarantie, bei Registrierung teils kostenlos verlängert, gegen Aufpreis bis 20 Jahre. Was die Garantie deckt, brauchen Sie nicht doppelt zu versichern. Die Unterschiede zeigt unser Wechselrichter-Vergleich.
  • Der Ertragsausfall als Kaufargument. Begründet der Verkäufer die Police mit entgangener Einspeisevergütung, rechnen Sie nach. Bei einer Eigenheimanlage sind das einige hundert Franken.
  • Anlagen im Monopolkanton mit tiefem Selbstbehalt. Wer eine gut einsehbare Anlage ohne Diebstahlrisiko betreibt, in einem Kanton mit CHF 200 Elementar-Selbstbehalt wohnt und für den Wechselrichter Rückstellungen bildet, trägt das Restrisiko rechnerisch selbst.

Mit einem Batteriespeicher ändert sich das Bild. Speicher kosten bei einer 10-kWp-Anlage CHF 5'000 bis 8'000, sind elektronisch anfällig und werden von den Herstellergarantien kürzer abgedeckt als Module. Bei einer Police, die Batterien nur im ersten Betriebsjahr zum Neuwert entschädigt, gehört dieser Punkt verhandelt.

Die Checkliste für die Offerte

  • Sind Konstruktions-, Material- und Fabrikationsfehler gedeckt oder ausgeschlossen?
  • Wie hoch ist der Selbstbehalt pro Ereignis, und gilt für den Ertragsausfall ein anderer?
  • Ab welchem Tag zahlt die Ertragsausfalldeckung, und über welche Haftzeit?
  • Wie lange gilt die Neuwertentschädigung für Module, Wechselrichter und Batterie je einzeln?
  • Sind De- und Remontage bei einem Dachschaden gedeckt, und bis zu welchem Betrag?
  • Sind Schadensuch-, Aufräum- und Entsorgungskosten eingeschlossen?
  • Steigt die Prämie nach einem Schadenfall, und wie lauten die Kündigungsfristen?

Dazu gehört die Anlagenhaftpflicht für Schäden, die der Anlagenbetrieb bei Dritten verursacht, etwa wenn sich bei Sturm ein Modul löst. Bei manchen Anbietern ist sie ein separater Baustein, bei anderen in der Gebäudehaftpflicht enthalten.

Was wir Kundinnen und Kunden empfehlen

Für eine typische Aufdachanlage reicht in aller Regel die kantonale Basisdeckung plus eine schlanke Zusatzpolice mit tiefem Selbstbehalt, kurzer Haftzeit und klarer Elektronikdeckung. Das kostet CHF 80 bis 120 pro Jahr. Wichtiger als die Policenwahl sind drei Dinge: die Meldung an die Gebäudeversicherung nach der Installation, Module mit ausreichender Hagelwiderstandsklasse und eine saubere Dokumentation inklusive Seriennummern und Erstellungskosten. Was passiert, wenn der Installateur nicht mehr existiert, steht in Wenn die Solarfirma pleitegeht.

Wir rechnen Ihre Anlage so durch, wie wir sie der eigenen Familie verkaufen würden. Dazu gehört die ehrliche Aussage, wenn eine Zusatzpolice bei Ihrer Anlagengrösse rechnerisch nichts bringt. Wenn Sie wissen möchten, welche Versicherungssumme für Ihr Dach realistisch ist, melden Sie sich unter freestate.ch/de/contact. Wenn etwas nicht aufgeht, sagen wir Ihnen das.

Quellen: GVB Privatversicherungen AG (GVB Solar, GVB Natura); Helvetia, Photovoltaikversicherung Schweiz; Die Mobiliar, Zusatzdeckung haustechnische Anlagen; Baloise, Zurich Schweiz und AXA Schweiz, Produktinformationen Gebäude und erneuerbare Energien; Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen VKG; Gebäudeversicherung Kanton St. Gallen; ElCom, Medienmitteilung zu den Strompreisen 2026 vom 9. September 2025; Swissolar, Umgang mit Hagelschäden an Solaranlagen; CKW, Photovoltaik-Kosten Schweiz. Stand: August 2026. Angaben ohne Gewähr.

IM

Ivan Miric

Free State AG

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