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Indach oder Aufdach? Wann sich integrierte Photovoltaik rechnet

9 min readIvan Miric
Indach oder Aufdach? Wann sich integrierte Photovoltaik rechnet

Eine Indach-Anlage kostet auf demselben Dach schnell CHF 11'000 bis 19'000 mehr als eine Aufdach-Anlage. Für ein Einfamilienhaus mit 10 kWp auf 50 m² Dachfläche stehen sich rund CHF 33'167 und CHF 44'734 bis 52'234 gegenüber, jeweils vor Einmalvergütung. Kurze Antwort auf die Frage, ob sich integrierte Photovoltaik lohnt: fast nur dann, wenn das Dach ohnehin neu eingedeckt werden muss. Wer eine intakte Ziegeldeckung abräumen lässt, um Module bündig einzubauen, zahlt die Optik zweimal.

Was Indach technisch bedeutet

Bei einer Aufdach-Anlage bleibt die Dacheindeckung liegen. Die Module werden auf eine Unterkonstruktion montiert und sitzen mit Luftspalt über den Ziegeln. Bei einer Indach-Anlage übernimmt die Anlage die Funktion der Dacheindeckung selbst. Die Module liegen bündig in der Dachfläche und müssen alle Anforderungen an Brandschutz, Regensicherheit und Hinterlüftung erfüllen, die sonst die Ziegel erfüllen.

Damit verschiebt sich die Verantwortung. Ein Aufdach-Fehler kostet Ertrag, ein Indach-Fehler kostet Bausubstanz. Deshalb hängt bei Indach alles am Unterdach, an den Randabschlüssen und an der sauberen Einbindung von Dachfenstern, Lukarnen und Kaminen. Die Anschlussdetails sind der teure Teil, nicht die Module.

Der Preisunterschied in Zahlen

Der Materialpreis erklärt den Unterschied nur zum Teil. Indach-Module kosten CHF 150 bis 300 pro m², Standardmodule für die Aufdach-Montage CHF 50 bis 60 pro m². Über die ganze Anlage gerechnet sieht eine typische 10-kWp-Kalkulation auf 50 m² so aus:

  • Aufdach, total CHF 33'167. Module CHF 2'633, Unterkonstruktion, Montage, DC-Installation und Gerüst CHF 12'267, Wechselrichter inklusive Installation CHF 2'733, AC-Installationen CHF 3'667, Planung, Administration, Kontrollen und Transport CHF 5'367, Energieoptimierung und Inbetriebnahme CHF 1'500.
  • Indach, total CHF 44'734 bis 52'234. Die Module allein schlagen mit CHF 7'500 bis 15'000 zu Buche, dazu kommen CHF 10'200 für Dachrandabschlüsse und rund CHF 1'500 für Blindmodule auf den rund 20 Prozent der Fläche, die sich nicht mit aktiven Modulen belegen lassen.

Nach Abzug der Einmalvergütung von rund CHF 3'600 bleiben CHF 29'567 für Aufdach und CHF 40'734 bis 48'234 für Indach. Umgerechnet liegt Aufdach bei rund CHF 2'000 bis 2'800 pro kWp, Indach bei CHF 2'400 bis 3'200 pro kWp. Wie sich die Anlagenkosten generell zusammensetzen, steht in Was kostet eine Solaranlage 2026 wirklich.

Der eine Moment, in dem Indach aufgeht: die Dachsanierung

In der Indach-Rechnung steckt eine Position, die bei einer Sanierung entfällt: die Dacheindeckung selbst. Im Beispiel sind das rund CHF 5'000 für eine Standarddeckung auf 50 m². Genau daraus entsteht der einzige belastbare wirtschaftliche Fall für Indach.

  • Nachrüstung auf ein intaktes Dach: rund 40 bis 60 Prozent Mehrkosten gegenüber Aufdach. Die alte Eindeckung wird entsorgt, ohne dass sie ihr Leben ausgelebt hätte.
  • Gleichzeitig mit der Dachsanierung: nur noch 15 bis 25 Prozent Mehrkosten, weil die neuen Ziegel entfallen.

Die Zahlen dahinter sind eindeutig. Eine reine Neueindeckung kostet in der Schweiz CHF 80 bis 200 pro m², mit neuer Dämmung CHF 200 bis 380 pro m², eine Komplettsanierung mit Gerüst und Spenglerarbeiten CHF 250 bis 400 pro m². Für ein Einfamilienhaus mit 120 bis 180 m² Dachfläche summiert sich das auf CHF 25'000 bis 65'000. Wer diesen Betrag ohnehin ausgibt, kauft die Integration zum Grenzpreis.

Der Haken ist der Zeitpunkt. Ein Ziegeldach hält bei gutem Unterhalt 50 bis 80 Jahre. Wenn Ihr Dach 20 Jahre alt ist, liegt die Sanierung ausserhalb jedes vernünftigen Planungshorizonts, und Indach ist damit für dieses Haus die falsche Antwort. Umgekehrt: Steht die Sanierung in den nächsten zwei bis drei Jahren an, sollten Sie die Anlage nicht vorher aufs alte Dach schrauben.

Förderung: der Integrations-Bonus, den es beim Einfamilienhaus nicht gibt

Hier hält sich ein hartnäckiger Irrtum. Es kursiert die Zahl, integrierte Anlagen erhielten CHF 400 pro kW statt der üblichen Sätze. Diese Zahl existiert, sie gilt aber nur für Anlagen mit einem Neigungswinkel von mindestens 75 Grad, also faktisch für Fassaden und alpine Aufständerungen. Angebaute und freistehende Anlagen erhalten dort CHF 200 pro kW. Ein normal geneigtes Schrägdach mit 30 bis 45 Grad fällt in keine dieser Kategorien.

Der zweite Integrations-Vorteil greift ebenfalls nicht am Einfamilienhaus. Seit dem 1. April 2025 erhalten integrierte Dachanlagen ab einer Gesamtleistung von 100 kW für den Leistungsanteil unter 100 kW den Satz für integrierte Anlagen von CHF 330 pro kW und CHF 250 pro kW für die darüber hinausgehende Leistung. Für eine 10-kWp-Anlage gilt schlicht der normale Leistungsbeitrag der kleinen Einmalvergütung von rund CHF 360 pro kWp für die ersten 30 kWp, unabhängig von der Montageart. Per 1. April 2025 wurde dieser Satz für Anlagen unter 30 kW zudem um CHF 20 gesenkt.

Neu ist dafür der Winterstrombonus ab dem 1. Januar 2026: CHF 3.50 pro kW für Anlagen ohne Eigenverbrauch und CHF 2.50 pro kW für Anlagen mit Eigenverbrauch, jeweils multipliziert mit dem durchschnittlichen spezifischen Winterstrommehrertrag der ersten drei vollen Winterhalbjahre. Ausbezahlt wird er erst nach dem dritten Winterhalbjahr, und wer ihn bezieht, hat keinen Anspruch auf den Neigungswinkelbonus. Welche Vergütung für welches Dach greift, steht in KLEIV, GREIV oder HEIV.

Ertrag: was die fehlende Hinterlüftung kostet

Module liegen bei Indach direkt in der Dachebene, der kühlende Luftstrom von unten fehlt weitgehend. Messungen zeigen eine grosse Streuung: von 1 bis 1.5 Prozent Minderertrag bei gut belüfteten Systemen über 2 bis 3 Prozent in Sommermessungen bis zu 5.4 Prozent, wenn die Hinterlüftung ganz fehlt. Die verbreitete Faustzahl von 3 bis 10 Prozent beschreibt das obere Ende dieser Bandbreite.

Rechnen wir mit 3 Prozent auf einer Mittelland-Anlage mit 850 bis 1'000 kWh pro kWp und Jahr, also rund 9'000 kWh Jahresproduktion. Der Verlust beträgt 270 kWh pro Jahr. Bei 30 Prozent Eigenverbrauch zum Medianpreis von 27.7 Rp./kWh und 70 Prozent Rücklieferung zu 9 Rp./kWh sind das rund CHF 39 pro Jahr oder CHF 975 über 25 Jahre. Der Ertragsnachteil ist also real, aber er ist nicht der Grund, weshalb Indach teuer ist. Warum Hitze überhaupt Leistung kostet, erklärt der Hitze-Mythos.

Unterdach und Dachneigung: die technischen Bedingungen

Weil die Module die Dachhaut bilden, wird das Unterdach zur zweiten wasserführenden Ebene und damit zum kritischen Bauteil. Die Systemhersteller unterscheiden drei Anforderungsstufen:

  • Normale Beanspruchung: Das Unterdach muss für frei abfliessendes Wasser dicht sein, Stösse überlappt oder winddicht verklebt.
  • Erhöhte Beanspruchung: Stösse und Fugen mindestens wasserdicht verklebt, beständig gegen Eisbildung, dicht bei Stauwasser bis 50 mm Stauhöhe.
  • Ausserordentliche Beanspruchung: nur homogen verschweissbare Bahnen, dicht auch bei mehr als 50 mm Stauhöhe.

Dazu kommen zwei Werte, die in jeder seriösen Offerte auftauchen sollten: Das Unterdach soll mindestens sechs Monate gegen freie Witterung beständig sein und eine Temperaturbeständigkeit von mindestens 80 Grad aufweisen. Bei zu flachen Dächern, wo die empfohlene Mindestneigung des Deckungssystems unterschritten wird, ist eine Abdichtung in Flachdachqualität nötig, mit eingeschweissten Konterlatten. Die Mindestneigung ist systemabhängig, manche Indachsysteme sind ab 16 Grad freigegeben.

Praktisch heisst das: Indach verlangt die Koordination zweier Gewerke. Dachdecker und Solarteur müssen dieselbe Ausführungsplanung unterschreiben, sonst zeigt im Schadenfall jeder auf den anderen.

Wartung und Reparatur über 25 Jahre

Bei einer Aufdach-Anlage ist ein defektes Modul in einer halben Stunde getauscht. Bei Indach hängt der Tausch am Verlegemuster: Module überlappen, Randabschlüsse und Dichtungen müssen geöffnet und fachgerecht wieder geschlossen werden. Spätere Umbauten, etwa ein zusätzliches Dachfenster oder eine Kaminsanierung, sind aufwendiger und teurer.

Dazu kommt die laufende Kontrolle. Dichtungen, Randanschlüsse und Unterkonstruktion gehören bei Indach in den Unterhalt, nicht nur die Module. Ein Monitoring-System ist hier kein Komfort, sondern die einzige Möglichkeit, einen Ausfall früh zu erkennen, bevor Feuchtigkeit über Monate Schaden anrichtet. Was Unterhalt und Wechselrichtertausch generell kosten, steht in Was kostet eine PV-Anlage wirklich.

Bewilligung, Kernzone und Denkmalschutz

Seit dem 1. Mai 2014 sind genügend angepasste Solaranlagen auf Dächern in Bauzonen meldepflichtig, aber nicht baubewilligungspflichtig. Als genügend angepasst gilt eine Anlage, die die Dachfläche im rechten Winkel um höchstens 20 cm überragt, von oben gesehen nicht über die Dachfläche hinausragt, nach dem Stand der Technik reflexionsarm ausgeführt ist und kompakt angeordnet wird. Mehrere je für sich kompakte Felder sowie technisch bedingte Auslassungen sind zulässig. Das Meldeformular ist spätestens 30 Tage vor der Installation einzureichen.

Eine Indach-Anlage erfüllt diese Kriterien naturgemäss immer. Der praktische Vorteil zeigt sich aber dort, wo die Meldung nicht reicht: In Kernzonen sowie Ortsbild- und Denkmalschutzzonen braucht es ein Baubewilligungsverfahren, und bei Kultur- und Naturdenkmälern von kantonaler oder nationaler Bedeutung ist die Bewilligung immer erforderlich. In solchen Verfahren ist die bündige Integration oft die einzige Variante, die überhaupt bewilligt wird. Wie streng die Praxis ausfällt, unterscheidet sich von Gemeinde zu Gemeinde deutlich, weshalb die Vorabklärung bei der Bauverwaltung vor der Systemwahl kommt und nicht danach.

Für Fassadenanlagen hat der Bund per 1. Juli 2025 nachgezogen: Sie brauchen grundsätzlich kein Baubewilligungsverfahren mehr.

Die Schweizer Systeme im Überblick

  • Solrif von Ernst Schweizer AG, Hedingen. Seit über 20 Jahren am Markt, europaweit in über 800 MW Anlagen verbaut. Macht aus einem rahmenlosen Standardmodul ein Solardachelement und ersetzt die Ziegeldeckung. Mit Anschlusslösungen für Dachfenster, Lukarnen und Kamine sowie Blindmodulen, auch für denkmalgeschützte Bauten.
  • MegaSlate von 3S Solar Plus, Thun. Über 10'000 Installationen in der Schweiz, produziert in Thun. Garantie von 10 Jahren auf 90 Prozent und 20 Jahren auf 80 Prozent der Mindestleistung.
  • Megasol Energie AG, Deitingen. Entwicklung und Produktion in der Schweiz, 25 Jahre lineare Leistungsgarantie und 10 Jahre Produktgarantie, dazu massgefertigte Modulformate für unregelmässige Dachflächen.

Massgefertigte Formate sind das stärkste Argument für Indach jenseits der Optik. Bei einem verwinkelten Dach mit Lukarnen lässt sich damit deutlich mehr Fläche aktiv belegen als mit einem starren Rastermass, was einen Teil des Ertragsnachteils wieder ausgleicht.

Wann Indach die richtige Wahl ist

Vier Konstellationen sprechen für die Integration:

  • Das Dach muss ohnehin neu eingedeckt werden, idealerweise im selben Bauvorgang.
  • Neubau, bei dem die Eindeckung nie gekauft wurde und die Mehrkosten in der Hypothek mitlaufen.
  • Kernzone, Ortsbild- oder Denkmalschutz, wo eine Aufdach-Anlage nicht bewilligt würde.
  • Verwinkelte Dachflächen, bei denen massgefertigte Module deutlich mehr Belegung erlauben.

Und drei, die klar dagegen sprechen: eine intakte Eindeckung mit 30 oder mehr Jahren Restlebensdauer, ein Budget, das schon bei der Aufdach-Variante knapp ist, und die Erwartung, mit Indach mehr Förderung zu erhalten. Letzteres trifft am Einfamilienhaus nicht zu.

Wir rechnen Ihre Anlage so durch, wie wir sie der eigenen Familie verkaufen würden. Dazu gehört die Frage nach dem Alter Ihrer Dacheindeckung, bevor wir über Modultypen sprechen. Wenn Sie wissen möchten, ob sich Indach auf Ihrem Dach rechnet oder ob Aufdach die ehrlichere Lösung ist, melden Sie sich unter freestate.ch/de/contact. Wenn etwas nicht aufgeht, sagen wir Ihnen das.

Quellen: CKW, Indach- oder Aufdach-Photovoltaikanlage und Photovoltaik-Kosten Schweiz; Bundesamt für Energie, Erläuterungen zur Revision der Energieförderungsverordnung (Boni und Leistungsbeiträge ab 1. Januar und 1. April 2025); Pronovo, häufige Fragen zur Einmalvergütung und Neuerungen Einmalvergütung Photovoltaik; Raumplanungsgesetz Art. 18a und Raumplanungsverordnung Art. 32a; Megasol Energie AG, Anforderungen ans Unterdach für Indachsysteme; Ernst Schweizer AG, Solrif; 3S Solar Plus, MegaSlate; ElCom, Strompreise 2026. Stand: August 2026. Angaben ohne Gewähr.

IM

Ivan Miric

Free State AG

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