
Lohnt sich Photovoltaik 2026? Die ehrliche Rechnung trotz sinkender Strompreise
Die ElCom hat am 10. September 2025 die Tarife für 2026 publiziert: Der Medianhaushalt zahlt im kommenden Jahr 27.7 Rp./kWh, rund 4 Prozent weniger als 2025. Ein H4-Haushalt mit 4'500 kWh Jahresverbrauch landet bei CHF 1'247 statt CHF 1'299. Die Energiekomponente allein fiel auf 12.11 Rp./kWh, einzig Netz und Messung legten um 0.22 Rp. zu. Rund 70 Prozent der Schweizer Energieversorger senken die Preise, 30 Prozent erhöhen sie.
Die naheliegende Frage stellen sich gerade tausende Eigentümer: Lohnt sich eine Photovoltaikanlage 2026 überhaupt noch? Wenn der Strom günstiger wird, sinkt doch auch der Wert jeder selbst produzierten Kilowattstunde.
Kurze Antwort: Ja, mehr denn je. Aus drei konkreten Gründen, die wir in diesem Beitrag mit Zahlen unterlegen. Die längere Antwort braucht etwas Rechnerei, denn die PV-Ökonomie hat sich 2026 strukturell verändert. Der Rückliefertarif ist nicht mehr der entscheidende Hebel, sondern der Eigenverbrauch, die neue gesetzliche Mindestvergütung und ein Steuerabzug-Fenster, das voraussichtlich 2028 schliesst.
Die drei Gründe in einem Absatz
Erstens gilt seit Januar 2026 eine gesetzliche Mindestvergütung von 6 Rp./kWh für Anlagen bis 30 kWp, eingeführt mit dem Mantelerlass. Damit ist die Untergrenze fix, unabhängig davon, wie tief der Spotmarkt fällt. Zweitens kostet bezogener Strom auch nach der Senkung noch zwischen 27 und 32 Rp./kWh, während die eigene Produktion auf dem Dach mit rund 8 bis 12 Rp./kWh Vollkosten kalkuliert wird. Diese Differenz ist der eigentliche Wertgenerator. Drittens läuft die volle steuerliche Abzugsfähigkeit von PV-Investitionen voraussichtlich Ende 2027 aus. Wer 2026 baut, sichert sich den Abzug noch zu vollen Konditionen.
Die neue Ökonomie 2026 in Zahlen
Drei Preise sind entscheidend für die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage. Sie haben sich 2026 alle bewegt, aber nicht alle in die gleiche Richtung.
Strombezug: Median 27.7 Rp./kWh, in teureren Netzgebieten 30 bis 35 Rp./kWh. Das ist der Preis, den jede eigenverbrauchte Kilowattstunde einspart.
Rückliefertarif: Der von Pronovo publizierte Referenz-Marktpreis liegt im ersten Quartal 2026 bei 10.27 Rp./kWh. Dazu kommt der Wert des Herkunftsnachweises (HKN), den die meisten EVU zusätzlich vergüten, üblicherweise 1 bis 3 Rp./kWh. Realistisch sind 11 bis 13 Rp./kWh Vergütung für eingespeisten Strom, abhängig vom EVU. EKZ, BKW und EWZ liegen in diesem Korridor.
Mindestvergütung: Neu im Mantelerlass verankert. 6 Rp./kWh für Anlagen bis 30 kWp, sinkend bis auf 1.2 Rp./kWh bei 149 kWp. Diese Untergrenze gilt auch dann, wenn der Marktpreis darunter rutscht. Sie schützt private PV-Investitionen gegen Marktpreiseinbrüche, wie sie 2024 und 2025 mehrfach vorkamen.
Die Rechnung ist damit übersichtlich. Eine eigenverbrauchte Kilowattstunde ist 27 bis 32 Rappen wert. Eine eingespeiste Kilowattstunde ist 6 bis 13 Rappen wert. Eine Anlage, die nur einspeist, amortisiert sich schlecht. Eine Anlage, die intelligent verbraucht, amortisiert sich gut. So einfach, so klar.
Eigenverbrauch ist der eigentliche Hebel
Ohne Speicher und ohne intelligente Steuerung verbraucht ein durchschnittlicher Schweizer Haushalt zwischen 25 und 35 Prozent des selbst produzierten Stroms direkt. Der Rest wird eingespeist. Mit einem Batteriespeicher steigt der Eigenverbrauchsanteil auf 60 bis 70 Prozent. Mit Wärmepumpe und Wallbox sind 75 bis 80 Prozent realistisch, ohne dass der Speicher überdimensioniert sein muss.
Die Wertsteigerung ist mathematisch zwingend. Wer 1'000 kWh statt mit 12 Rp. Rückliefertarif mit 28 Rp. Eigenverbrauch bewertet, gewinnt 160 Franken pro 1'000 kWh, allein durch den Verbrauchsmodus. Bei einer 10-kWp-Anlage mit 9'500 kWh Jahresertrag verschiebt jeder Prozentpunkt Eigenverbrauch rund 15 Franken pro Jahr. Von 30 auf 70 Prozent sind das jährlich 600 Franken zusätzlich, über 25 Jahre rund 15'000 Franken.
Genau deshalb hat sich der Fokus seriöser Anbieter in den letzten zwei Jahren verschoben. Es geht nicht mehr darum, das Dach maximal vollzubauen. Es geht darum, die Anlage so zu dimensionieren und zu steuern, dass möglichst viel des Stroms im eigenen Haus bleibt.
Was kostet eine Anlage 2026 wirklich?
Die Modulpreise haben sich seit 2016 um rund 80 Prozent reduziert. Im ersten Quartal 2026 liegt der Spotpreis bei EUR 0.11 pro Watt-Peak. Da Module aber nur 25 bis 30 Prozent der Anlagekosten ausmachen, schlägt das nicht eins zu eins durch. Wechselrichter, Montagematerial, Elektroinstallation und Montagearbeit sind die grösseren Posten.
Realistische Bruttokosten 2026, vor Einmalvergütung und Steuerabzug:
- 5 kWp: CHF 12'000 bis 16'000 (entspricht 2'400 bis 3'200 pro kWp)
- 10 kWp: CHF 23'000 bis 30'000 (2'300 bis 2'900 pro kWp)
- 20 kWp: CHF 36'000 bis 44'000 (1'800 bis 2'200 pro kWp)
- 50 kWp: ab CHF 85'000 (rund 1'700 pro kWp)
Speicher kosten 2026 deutlich weniger als noch vor zwei Jahren. Ein 15-kWh-Batteriespeicher liegt installiert bei rund CHF 8'800, etwa 25 Prozent günstiger als 2025. Damit sind Speicher zum ersten Mal in einer Region, in der sie sich für die meisten Einfamilienhäuser rechnen, auch ohne Förderung.
Die Einmalvergütung (EIV) durch Pronovo deckt rund 30 Prozent der Anlagekosten bei kleinen Anlagen. Eine 10-kWp-Anlage erhält 2026 typischerweise CHF 4'000 bis 4'500 EIV, ausgezahlt nach Inbetriebnahme. Hinzu kommt der vollständige steuerliche Abzug der Anlagekosten als Liegenschaftsunterhalt im Jahr der Inbetriebnahme, was je nach Grenzsteuersatz weitere 20 bis 35 Prozent der Investition zurückbringt.
Fallbeispiel 1: 5 kWp ohne Speicher
Einfamilienhaus, Süddach, 4'500 kWh Jahresverbrauch, keine Wärmepumpe, kein Elektroauto.
Investition brutto: CHF 14'500. EIV: rund CHF 2'400. Steuerabzug bei 25 % Grenzsteuersatz: CHF 3'000. Nettoinvestition: rund CHF 9'100.
Jahresertrag: 4'750 kWh. Eigenverbrauch: 30 % = 1'425 kWh, Wert 28 Rp. = CHF 399. Einspeisung: 3'325 kWh à 12 Rp. = CHF 399. Jährlicher Ertrag total: rund CHF 798.
Amortisation netto: rund 11 bis 12 Jahre. Bei 25 bis 30 Jahren Lebensdauer bleibt die Anlage etwa 13 bis 18 Jahre lang reiner Gewinn, hochgerechnet CHF 10'000 bis 14'000 über die Laufzeit.
Fallbeispiel 2: 10 kWp mit Speicher und Wärmepumpe
Einfamilienhaus mit Wärmepumpe, 9'000 kWh Jahresverbrauch, 10-kWh-Batteriespeicher.
Investition brutto: CHF 27'500 (Anlage) + CHF 6'500 (Speicher) = CHF 34'000. EIV: rund CHF 4'300. Steuerabzug bei 30 % Grenzsteuersatz: CHF 8'900. Nettoinvestition: rund CHF 20'800.
Jahresertrag: 9'500 kWh. Eigenverbrauch: 65 % = 6'175 kWh, Wert 29 Rp. = CHF 1'791. Einspeisung: 3'325 kWh à 12 Rp. = CHF 399. Jährlicher Ertrag total: rund CHF 2'190.
Amortisation netto: rund 9 bis 10 Jahre. Über die volle Lebensdauer von 25 Jahren generiert die Anlage rund CHF 35'000 bis 40'000 Nettogewinn, inflationsbereinigt eher mehr, da die Strompreise historisch im Mittel um 2 bis 3 Prozent pro Jahr steigen.
Fallbeispiel 3: 20 kWp Grossverbraucher
Grosses Einfamilienhaus oder kleines Gewerbe mit Wärmepumpe, Elektroauto und Wallbox. Jahresverbrauch 16'000 kWh.
Investition brutto: CHF 40'000. EIV: rund CHF 7'200. Steuerabzug bei 30 % Grenzsteuersatz: CHF 9'800. Nettoinvestition: rund CHF 23'000.
Jahresertrag: 19'000 kWh. Eigenverbrauch ohne Speicher: 55 % (dank WP und E-Auto) = 10'450 kWh, Wert 28 Rp. = CHF 2'926. Einspeisung: 8'550 kWh à 11 Rp. = CHF 941. Jährlicher Ertrag total: rund CHF 3'867.
Amortisation netto: rund 6 bis 7 Jahre. Das ist der Fall, der heute beraterseitig immer wieder die Standing Ovations bekommt. Wer ohnehin viel Strom verbraucht und die Verbrauchsspitzen ins Sonnenfenster legen kann, amortisiert in unter sieben Jahren.
Was die Amortisation drückt
Speicher allein machen eine Anlage nicht rentabler, sie verschieben nur Eigenverbrauch. Wirklich beschleunigend wirken vier Faktoren.
Wärmepumpen-Synergie: Eine Wärmepumpe verbraucht im Winter dann am meisten, wenn die PV am wenigsten liefert. Aber im Frühjahr und Herbst, gerade in den Übergangsmonaten, deckt die PV einen substantiellen Teil. Mit intelligenter Steuerung (Boost-Funktion bei Solarüberschuss) lassen sich pro Heizsaison 1'500 bis 2'500 kWh PV-Strom in die Wärmepumpe leiten.
Wallbox mit PV-Überschussladen: Ein Elektroauto braucht 2'500 bis 4'000 kWh pro Jahr. Wer tagsüber zuhause lädt, kann den überwiegenden Teil aus dem eigenen Dach decken. Das ist der mit Abstand effizienteste Eigenverbrauchskanal, weil keine Speicherverluste anfallen.
Dynamische Stromtarife: Mehrere Versorger bieten 2026 stundenvariable Tarife an. Damit lässt sich auch der Nicht-PV-Strom günstiger einkaufen und der Speicher als Arbitrage-Werkzeug nutzen.
Steuerabzug 2026 statt 2028: Der bundessteuerliche Abzug für PV-Investitionen läuft voraussichtlich Ende 2027 aus, je nach kantonaler Übernahme früher. Wer 2026 oder 2027 baut, sichert sich Vorteile, die spätere Bauherren nicht mehr haben.
Was die Amortisation streckt
Drei Konstellationen verschlechtern die Wirtschaftlichkeit deutlich. Wer in einer dieser Situationen steckt, sollte nicht rechnen, sondern beraten lassen.
Kleine Anlage ohne Eigenverbrauchsoptimierung: Eine 4-kWp-Anlage auf einem Haus ohne Wärmepumpe, ohne E-Auto, ohne tagsüber anwesende Bewohner amortisiert sich über die reine Einspeisung. Bei 6 bis 12 Rp. Vergütung sind das Amortisationszeiten von 15 bis 20 Jahren. Lohnenswert, aber nicht spektakulär.
Nord-Dach oder starke Verschattung: Ein Nord-Dach liefert in der Schweiz nur 50 bis 60 Prozent der Erträge eines Süd-Daches. Verschattung durch Nachbarbäume oder Kamine kann zusätzlich 10 bis 30 Prozent kosten. Hier muss präzise simuliert werden, ob sich der Verkabelungsaufwand für getrennte Wechselrichter oder Modulleistungsoptimierer lohnt.
Falsches Sizing: Wer eine Anlage zu klein dimensioniert, lässt Dachfläche liegen und zahlt für Komponenten, die unausgelastet bleiben. Wer zu gross dimensioniert, speist viel zu Niedrigpreisen ein. Die Auslegung sollte sich an Jahresverbrauch und Eigenverbrauchsoptimierung orientieren, nicht an der maximal belegbaren Fläche.
Gegen die "Warten lohnt sich"-These
Manche Eigentümer schieben den Bau auf, weil sie davon ausgehen, dass Module noch günstiger werden oder die Förderung wieder steigt. Beide Annahmen sind 2026 fragwürdig.
Modulpreise haben den Boden erreicht. Bei EUR 0.11 pro Watt-Peak liegen viele Hersteller bereits unter den Produktionskosten. Eine weitere Halbierung ist physikalisch und wirtschaftlich kaum noch möglich. Im Gegenteil: Anti-Dumping-Massnahmen in Europa könnten die Preise mittelfristig wieder leicht anheben.
Die Einmalvergütung sinkt jedes Jahr. Die Vergütungssätze sind degressiv gestaltet, das heisst, sie werden bei steigendem Zubau gekürzt. Wer 2028 baut, erhält voraussichtlich weniger EIV als wer 2026 baut.
Der Steuerabzug-Fenster schliesst. Wie oben erwähnt, läuft der bundessteuerliche Abzug voraussichtlich Ende 2027 aus. Das ist ein Einmalfenster, das nicht wiederkehrt.
Speicherpreise sind schon tief. Die starken Preisrückgänge der vergangenen Jahre verlangsamen sich. Die Hersteller priorisieren inzwischen Margen vor Marktanteilen. Wer auf weiter sinkende Speicherpreise wartet, wartet möglicherweise lange.
Strompreise sind volatil. Die 4-Prozent-Senkung 2026 ist eine Momentaufnahme. Mittelfristig zeigen alle Modelle des Bundesamts für Energie (BFE) und der ElCom einen Anstieg, getrieben durch Netzausbau, Versorgungssicherheits-Reserven und CO2-Bepreisung. Wer heute investiert, sichert sich gegen diese Anstiege ab.
Die ehrliche Zusammenfassung
Photovoltaik 2026 ist kein Selbstläufer mehr, war es aber auch nie wirklich. Wer rechnet, gewinnt. Wer nicht rechnet, kann Geld liegenlassen. Die Bruttoamortisation liegt je nach Konstellation zwischen 15 und 21 Jahren. Mit EIV, Steuerabzug und Eigenverbrauchsoptimierung über 50 Prozent landen die meisten Fälle bei 9 bis 13 Jahren netto. Grossverbraucher mit Wärmepumpe und Elektroauto schaffen 6 bis 7 Jahre.
Bei einer Modullebensdauer von 25 bis 30 Jahren und einer Garantie von 80 bis 85 Prozent Leistung nach 25 Jahren bleibt nach der Amortisation reichlich Zeit für Rendite. Eine durchschnittlich dimensionierte Anlage generiert über ihre Lebenszeit netto zwischen CHF 15'000 und CHF 40'000 Gewinn, je nach Verbrauchsprofil und Steuersatz.
Die Frage ist 2026 also nicht mehr, ob sich PV lohnt. Sondern wie gross die Anlage sein soll, ob ein Speicher dazugehört und wie der Eigenverbrauch optimiert wird. Genau das entscheidet, ob die Amortisation 7 oder 13 Jahre dauert.
Wer rechnen will, soll rechnen
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Quellen: ElCom-Tarifübersicht 2026 (Medienmitteilung 10.09.2025); Pronovo Referenz-Marktpreis Q1 2026; Bundesamt für Energie (BFE) Mantelerlass-Verordnung Mindestvergütung; Swissolar Marktstudie 2025/2026; EnergieSchweiz Förderübersicht 2026; Bundesgesetz über die Direkte Bundessteuer Art. 32. Stand: Mai 2026. Angaben ohne Gewähr.