
Wie gross muss meine Solaranlage sein? Die Schweizer Faustformel 2.5 für 2026
Die Frage steht am Anfang jedes Solarprojekts: Wie viele Kilowattpeak brauche ich auf dem Dach? Die Antwort entscheidet über zehntausende Franken, über die Stromrechnung der nächsten 25 Jahre und darüber, ob die Anlage mit Wärmepumpe und E-Auto in fünf Jahren noch passt. Und genau hier machen die meisten Schweizer Hausbesitzer 2026 denselben Fehler: Sie rechnen mit einer Faustformel aus dem Jahr 2015.
Die klassische Regel lautet: 1 kWp pro 1'000 kWh Jahresverbrauch. Eine Familie mit 5'000 kWh Verbrauch bekommt also eine 5-kWp-Anlage. Das war richtig, als der Einspeisetarif noch bei 15 Rp./kWh lag und ein Haushalt seinen Strom nachts aus dem Netz holte. 2026 stimmt diese Rechnung nicht mehr. Mindestvergütung 6 Rp., Wärmepumpen statt Ölheizungen, E-Autos in der Garage, Modulpreise im freien Fall: Alle Hebel zeigen in dieselbe Richtung. Die Anlage darf, soll und muss grösser sein.
Warum die alte Faustformel ausgedient hat
Drei Veränderungen haben die Logik der Anlagendimensionierung 2026 komplett umgedreht.
Erstens die Vergütungsreform. Seit Januar 2026 gilt schweizweit eine Mindestvergütung von 6 Rp./kWh für ins Netz eingespeisten Solarstrom. Klingt nach wenig, ist es auch. Aber das ist der Sockel, kein Maximum. Entscheidend ist: Wer selbst verbraucht, spart 28 bis 35 Rp./kWh. Die Lücke zwischen Eigenverbrauch und Einspeisung ist also so gross wie nie zuvor. Jede zusätzliche kWh, die unter dem eigenen Dach landet, statt eingekauft zu werden, ist Gold wert.
Zweitens die Modulpreise. Ein installiertes Kilowattpeak kostete 2015 rund 3'500 CHF, 2020 noch 2'400 CHF, 2026 zwischen 1'400 und 1'800 CHF. Die Module selbst machen davon nur einen Bruchteil aus, der Rest ist Wechselrichter, Unterkonstruktion und Montage. Diese Fixkosten fallen einmal an, egal ob die Anlage 8 oder 14 kWp gross ist. Übersetzt heisst das: Die zusätzlichen Module kosten fast nichts, die Skaleneffekte sind massiv.
Drittens die Lastprofile. Ein modernes Schweizer Einfamilienhaus mit Wärmepumpe und einem E-Auto verbraucht 11'000 bis 14'000 kWh pro Jahr, mehr als doppelt so viel wie das gleiche Haus vor zehn Jahren mit Ölheizung. Wer die alte Faustformel anwendet und 14 kWp installiert, ist zwar nominell auf der sicheren Seite, schöpft das Potenzial aber nicht aus. Mehr dazu im Detail in unserem Rentabilitätsüberblick zur Photovoltaik 2026.
Die neue Faustformel 2.5
Die Logik dreht sich um. Statt die Anlage am aktuellen Verbrauch zu spiegeln, dimensioniert man sie auf die Zukunft des Haushalts. Die Formel lautet:
Anlagengrösse in kWp = (Jahresverbrauch in kWh × 2.5) / 1'000
Ein Haushalt mit 5'000 kWh kommt damit auf 12.5 kWp, nicht auf 5. Das wirkt auf den ersten Blick übertrieben. Tatsächlich rechnen sich die zusätzlichen 7.5 kWp aus drei Gründen: Erstens werden Wärmepumpe oder E-Auto in den nächsten zehn Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit dazukommen. Zweitens kostet das Plus an Modulen vielleicht 9'000 CHF, generiert aber über 25 Jahre mindestens 90'000 kWh zusätzlich. Drittens steigt der Eigenverbrauchswert, sobald Wärmepumpe und Auto dabei sind, weil mehr Eigenstrom direkt im Haus bleibt.
Der Faktor 2.5 ist kein dogmatischer Wert. Er liegt zwischen zwei Polen: Wer ganz sicher nie eine Wärmepumpe oder ein E-Auto besitzen wird, kann mit Faktor 1.5 bis 2 rechnen. Wer schon beides hat und vielleicht noch einen Pool oder eine Klimaanlage plant, geht eher auf Faktor 3. In der Schweizer Praxis 2026 ist 2.5 der Schnittpunkt, der für rund 70 Prozent der Einfamilienhäuser stimmt.
Vier Verbrauchsprofile, vier Anlagen
Statt theoretisch zu rechnen, lohnt der Blick auf typische Schweizer Haushalte.
EFH ohne Wärmepumpe, ohne E-Auto: 4'000 bis 5'000 kWh. Klassisch dimensioniert wären das 5 kWp. Mit Faustformel 2.5 sind es 10 bis 12 kWp. Die Empfehlung 2026: 10 kWp installieren, wenn das Dach es hergibt. Sobald in fünf Jahren die Ölheizung durch eine Wärmepumpe ersetzt wird, hat die Anlage bereits die richtige Grösse.
EFH mit Wärmepumpe, ohne E-Auto: 7'000 bis 10'000 kWh. Die alte Formel hätte 7 bis 10 kWp ergeben. Mit Faktor 2.5 sind es 18 bis 25 kWp, was bei den meisten EFH-Dächern ohnehin die obere Grenze ist. Praxisempfehlung: 12 bis 15 kWp, ergänzt durch einen 10-kWh-Speicher. Damit deckt der Haushalt 65 bis 75 Prozent des Jahresbedarfs aus dem eigenen Dach.
EFH mit Wärmepumpe und einem E-Auto: 11'000 bis 14'000 kWh. Klassisch wären das 11 bis 14 kWp. Mit Faustformel 2.5 wären es theoretisch 28 bis 35 kWp, was auf den meisten EFH-Dächern nicht passt. Hier wird die Dachfläche zur harten Begrenzung. Realistisch sind 16 bis 20 kWp, was die meisten Süd- oder Ost-West-Dächer eines normalen EFH hergeben. Eigenverbrauchsquote mit Speicher: 75 bis 85 Prozent.
EFH mit Wärmepumpe, zwei E-Autos und Pool: 16'000 bis 20'000 kWh. Hier passt die Faustformel 2.5 nicht mehr direkt, weil die Dachfläche selten ausreicht. Empfehlung: Dach maximal belegen, was meist 22 bis 30 kWp ergibt. Speicher 15 bis 20 kWh, intelligente Steuerung für Auto-Ladung und Pool-Heizung über den Tag.
Für kleinere Mehrfamilienhäuser mit vier Wohnungen liegt der Jahresverbrauch zwischen 15'000 und 22'000 kWh. Hier sind 20 bis 25 kWp realistisch, idealerweise im Rahmen eines Zusammenschlusses zum Eigenverbrauch (ZEV). Die Wirtschaftlichkeit ist dort meist sogar besser als beim EFH, weil mehr Verbraucher gleichzeitig Strom abnehmen.
Wie gross soll der Speicher sein?
Die Speicher-Faustregel ist deutlich einfacher: 1 bis 1.5 kWh nutzbare Kapazität pro 1'000 kWh Jahresverbrauch. Ein Haushalt mit 10'000 kWh braucht also 10 bis 15 kWh Speicher. Wer kleiner dimensioniert, verschenkt Eigenverbrauch. Wer grösser dimensioniert, lädt nachts kaum mehr nach und der zusätzliche Speicher amortisiert sich nie.
Die Speicherpreise sind 2026 gegenüber 2024 um rund 25 Prozent gefallen, ein 10-kWh-System kostet installiert zwischen 9'000 und 13'000 CHF. Trotzdem ist nicht jeder Speicher zwingend. Wer einen dynamischen Stromtarif nutzt und nachts gezielt günstige Netzstunden einkauft, kann auch ohne Speicher in die Arbitrage einsteigen. Die ausführliche Rechnung, wann sich ein Speicher rechnet und wann nicht, haben wir in unserem Batteriespeicher-Vergleich 2026 aufgeschlüsselt.
Ein praktischer Richtwert für die Eigenverbrauchsquote: Ohne Speicher liegt sie bei 25 bis 35 Prozent. Mit Speicher bei 60 bis 70 Prozent. Mit Speicher plus Wärmepumpe plus E-Auto erreicht ein optimiertes System 75 bis 85 Prozent, in Einzelfällen über 90 Prozent.
Reicht mein Dach überhaupt?
Die zweite harte Realitätsprüfung ist die Dachfläche. Pro kWp installierter Leistung braucht es 4 bis 5 m² Dachfläche. Moderne Module mit 410 bis 450 Wp messen rund 1.7 m² pro Stück, dazu kommen Abstände, Dachfenster, Kamine, Schneefangbalken und Verschattungen.
Praktische Beispiele: Ein typisches EFH-Satteldach mit Süd-Ausrichtung und 80 m² nutzbarer Fläche trägt 16 bis 18 kWp. Ein Walmdach mit Süd- und West-Fläche, je 40 m², schafft 14 bis 16 kWp. Ein kleines Reihenhausdach mit 30 m² kommt auf 6 bis 7 kWp.
Spezifischer Ertrag in der Schweiz: Im Mittelland produziert 1 kWp jährlich 950 bis 1'100 kWh, im Alpenraum 1'200 bis 1'300 kWh, bei Verschattung im Mittelland sinkt der Wert auf 800 bis 900 kWh. Ein 12-kWp-Süddach in Aarau liefert also rund 12'500 kWh pro Jahr, eine gleich grosse Anlage in Davos eher 15'000 kWh.
Was passiert, wenn die Anlage zu klein wird?
Wenn das Dach kleiner ist als die rechnerische Anlagengrösse, ist das kein Drama. Eine 9-kWp-Anlage auf einem Haushalt, der eigentlich 14 kWp bräuchte, rechnet sich immer noch sehr gut. Der Eigenverbrauchsanteil pro installiertem kWp ist sogar höher, weil weniger ins Netz fliesst. Die Faustregel hier: Dach maximal belegen, keine Reserven lassen. Eine Modulreihe für die Wartung freihalten klingt vorausschauend, kostet aber über die Lebensdauer der Anlage 15'000 bis 25'000 CHF an entgangenem Stromwert. Wartung passiert im Mittel alle zehn Jahre und dauert einen Vormittag, das rechtfertigt keinen Verzicht auf Dachfläche.
Und wenn das Dach zu gross ist?
Oversizing kostet wenig und bringt viel. Wer auf einem grossen Bauernhaus theoretisch 40 kWp unterbringen könnte, sollte das auch tun. Die zusätzlichen Module rechnen sich allein durch Eigenverbrauch und die Mindestvergütung. Ein Detail aber: Bei Anlagen grösser als 30 kWp sinkt die Einmalvergütung (KLEIV vs. GREIV) deutlich. Wer also bewusst auf die Einmalvergütung baut, hält die Anlage knapp unter dieser Schwelle. Wer auf Eigenverbrauch und Einspeisung setzt, baut grösser und kommt trotzdem auf eine bessere Rendite.
Die 70-Prozent-Regel ist kein Drama
Seit 2026 dürfen Netzbetreiber laut Art. 19c StromVV die Einspeiseleistung auf 70 Prozent der installierten Leistung begrenzen. Das klingt brutal, ist es in der Realität aber nicht. Bei einer 15-kWp-Anlage werden also maximal 10.5 kW eingespeist. Die Spitzenleistung tritt in der Schweiz nur an wenigen Sommerstunden im Mai und Juni auf, der Jahresverlust liegt empirisch unter 3 Prozent. Wer einen Speicher hat oder ein E-Auto über Mittag lädt, umgeht die Grenze fast vollständig, weil die Lastspitze gar nicht ins Netz geht. Die Regel ist also kein Argument, kleiner zu bauen.
Süd, Ost-West oder beides?
Die Ausrichtung ist die letzte Stellschraube. Eine reine Süd-Ausrichtung mit 30 bis 35 Grad Neigung liefert den höchsten Jahresertrag, konzentriert ihn aber auf die Mittagsstunden. Eine Ost-West-Anlage produziert 10 bis 15 Prozent weniger Jahresertrag, verteilt die Produktion aber auf einen langen Tag mit zwei flachen Peaks. Für Familien, die tagsüber abwesend sind, kann Ost-West ohne Speicher überraschend gut funktionieren, weil morgens das Bad und abends die Küche genau im Produktionsfenster liegen.
Wenn das Dach beide Optionen erlaubt, gilt 2026: Süd plus Speicher ist meist wirtschaftlicher als Ost-West ohne Speicher. Der Speicher kostet zwar mehr, der höhere Süd-Ertrag plus die optimale Lastverschiebung machen die Differenz mehr als wett. Wer keinen Speicher will, ist mit Ost-West besser bedient.
Fünf Schritte zur richtigen Grösse
Die ganze Theorie in eine handfeste Anleitung übersetzt:
- Schritt 1: Jahresverbrauch ermitteln. Letzte zwei Stromabrechnungen nehmen, Mittelwert bilden. Wer einen Smart Meter hat, kann das Profil über zwölf Monate direkt abrufen.
- Schritt 2: Künftige Last einrechnen. Wärmepumpe statt Öl- oder Gasheizung plant 4'000 bis 6'000 kWh pro Jahr ein. Ein E-Auto mit 15'000 km Fahrleistung addiert 3'000 kWh. Eine Klimaanlage 500 bis 1'500 kWh.
- Schritt 3: Faustformel 2.5 anwenden. Aktuellen plus künftigen Verbrauch nehmen, mal 2.5, geteilt durch 1'000. Ergebnis ist die Zielgrösse in kWp.
- Schritt 4: Dachfläche gegenchecken. Verfügbare Fläche durch 4.5 teilen. Das ist die maximal mögliche Anlagengrösse. Die kleinere der beiden Zahlen aus Schritt 3 und Schritt 4 ist die finale Anlagengrösse.
- Schritt 5: Speicher dimensionieren. Jahresverbrauch in MWh nehmen, mal 1.2. Das ergibt die nutzbare Speicherkapazität in kWh. Bei dynamischen Tarifen optional, sonst klar empfohlen ab 8'000 kWh Verbrauch.
Wer es lieber konkret und individuell rechnen möchte, kann unseren Solar-Rechner nutzen. Adresse eingeben, Dachfläche prüfen, Verbrauchsprofil hinterlegen, in zwei Minuten steht die persönliche Anlagengrösse mit Ertragsprognose und Wirtschaftlichkeit auf dem Bildschirm. Die kompletten Investitionskosten und Amortisationszeiten für ein typisches Schweizer Einfamilienhaus 2026 haben wir zudem in unserem Beitrag zu den Solaranlage-Kosten beim EFH aufgeschlüsselt.
Free State AG plant grosszügig, nicht knapp
Bei Free State AG dimensionieren wir Anlagen konsequent nach der Faustformel 2.5. Wir fragen nicht nur, wie viel Strom Sie heute verbrauchen, sondern was in zehn Jahren auf dem Dach laufen soll. Wärmepumpe in Planung? Neuer Wagen mit Stecker? Wir planen das mit ein, bevor das Gerüst steht. Unser Solar-Free-Modell bedeutet zudem null Investition für Sie: Wir installieren, Sie beziehen den Strom unter dem regionalen Tarif, der Vertrag läuft ohne Lock-in mit fairer Ausstiegsklausel. Wenn Sie wissen wollen, ob Ihr Dach für 12, 16 oder 22 kWp reicht und was das konkret bringt, vereinbaren Sie eine unverbindliche Erstanalyse über unsere Kontaktseite. Wir antworten innerhalb von 24 Stunden.
Quellen: BFE Photovoltaik-Statistik 2025, Swissolar Marktstudie 2026, ElCom Tarifübersicht 2026, StromVV Art. 19c, eigene Projektdaten Free State AG. Stand: Mai 2026. Angaben ohne Gewähr.