
Rückliefertarif 2026 im Schock: Von 12.6 auf 9 Rp./kWh, lohnt sich Solar jetzt noch?
Die EKZ haben per 1. Januar 2026 ihren Rückliefertarif fundamental umgestellt: Statt der bisherigen fixen Basisvergütung von 12.6 Rp./kWh im Hochtarif und 11.6 Rp./kWh im Niedertarif richtet sich die Einspeisevergütung neu nach dem quartalsweise vom Bundesamt für Energie publizierten Referenz-Marktpreis. Für Q1 2026 liegt dieser bei 10.27 Rp./kWh. Plus 3.0 Rp./kWh Herkunftsnachweis, abzüglich Vermarktungsmarge, landen Anlagen bis 30 kWp bei einer garantierten Untergrenze von 9 Rp./kWh inkl. HKN. In den Sommermonaten Q2 und Q3 sind die Marktpreise erfahrungsgemäss tiefer: Im Q3 2025 lag der Referenzmarktpreis Solar bei nur 5.73 Rp./kWh. Kurze Antwort auf die Frage, die uns Hausbesitzer derzeit täglich stellen: Solar lohnt sich weiterhin, aber die Logik hat sich verschoben.
Was sich per 1. Januar 2026 konkret verändert hat
Der Mantelerlass, vom Stimmvolk am 9. Juni 2024 mit 68.7 Prozent angenommen, bringt schweizweit eine harmonisierte Vergütung für eingespeisten Solarstrom. Zuvor schwankten die Rückliefertarife je nach Verteilnetzbetreiber zwischen 5 und 17 Rp./kWh, ein Lottospiel je nach Wohnort. Neu gilt: Pronovo respektive das BFE berechnen pro Quartal einen einheitlichen Referenz-Marktpreis, gewichtet nach den effektiv eingespeisten Viertelstundenwerten. Veröffentlicht wird er in der zweiten Woche nach Quartalsende.
Parallel garantiert der Mantelerlass eine Mindestvergütung: 6 Rp./kWh für Anlagen bis 30 kWp, danach degressiv bis rund 1.2 Rp./kWh bei 149.9 kW. Diese Untergrenze greift, wenn der Marktpreis tiefer fällt. Ein H4-Einfamilienhaus mit einer typischen 8 bis 12 kWp-Anlage ist also nach unten abgesichert, auch wenn im Sommer der Spotmarkt unter 4 Rp./kWh kollabiert.
Die Halbierung in Zahlen: EKZ als Referenz
Wer 2025 bei EKZ noch 12.6 Rp./kWh HT plus 3.0 Rp./kWh HKN erhielt, kam auf rund 15.6 Rp./kWh Mischvergütung. Für 2026 zeichnet sich für Q1 ein Wert um 10 bis 11 Rp./kWh inkl. HKN ab, für Q2/Q3 mit hoher Wahrscheinlichkeit eher 7 bis 9 Rp./kWh. Auf das Jahr gemittelt: rund 9 Rp./kWh. Das ist eine Reduktion von etwa 40 bis 45 Prozent gegenüber 2025. BKW, Repower und CKW haben ihre Modelle analog umgestellt. Nur wenige EVU, etwa Groupe E in der Westschweiz, lagen ohnehin tiefer und sehen einen kleineren Sprung.
Warum das nicht das Ende von Solar ist
Der Rückliefertarif war nie der wichtigste Hebel einer PV-Wirtschaftlichkeit, er war einfach lange Zeit ein bequemer. Der echte Wert einer Solaranlage liegt im Eigenverbrauch: Jede selbst verbrauchte kWh ersetzt eine kWh, die Sie sonst zu 27.7 Rp./kWh (ElCom-Medianpreis 2026, H4) bezogen hätten. Das ist das Dreifache der Einspeisevergütung. Wer also den Eigenverbrauch von 30 auf 60 Prozent hebt, gewinnt pro verschobener kWh rund 18 Rp., deutlich mehr als jeder Rückliefertarif je hergab.
Rechenbeispiel: 10-kWp-Anlage in Zürich, ehrlich gerechnet
Nehmen wir ein typisches Einfamilienhaus im Zürcher Unterland: Süddach, 30 Grad Neigung, keine Verschattung, 10 kWp Modulleistung, Jahresertrag rund 9'500 kWh. Stromverbrauch des Haushalts: 5'500 kWh/Jahr ohne Wärmepumpe oder E-Auto, 12'000 kWh mit Wärmepumpe, 16'000 kWh mit Wärmepumpe plus E-Auto.
Szenario A, ohne Speicher, Standard-Haushalt: Eigenverbrauchsquote rund 30 Prozent. Eigenverbrauch 2'850 kWh × 27.7 Rp. = CHF 789. Einspeisung 6'650 kWh × 9 Rp. = CHF 599. Total Jahresertrag rund CHF 1'388. Bei Investitionskosten von ca. CHF 22'000 nach EIV ergibt das eine Amortisation von etwa 16 Jahren. Knapp, aber positiv.
Szenario B, mit 10 kWh-Speicher, Standard-Haushalt: Eigenverbrauchsquote steigt auf rund 60 Prozent. Eigenverbrauch 5'700 kWh × 27.7 Rp. = CHF 1'579. Einspeisung 3'800 kWh × 9 Rp. = CHF 342. Total CHF 1'921. Mehrkosten Speicher: rund CHF 9'000 bis 12'000. Zusatzertrag CHF 533/Jahr. Reine Speicheramortisation: 17 bis 23 Jahre. Bei aktuellen Preisen rechnet sich der Speicher in dieser Konstellation finanziell knapp, der Hauptnutzen liegt in der Versorgungssicherheit und der besseren Marktpositionierung für die Zukunft.
Szenario C, mit Wärmepumpe und Wallbox, ohne Speicher: Eigenverbrauchsquote rund 55 Prozent durch reines Lastmanagement. Eigenverbrauch 5'225 kWh × 27.7 Rp. = CHF 1'447. Einspeisung 4'275 kWh × 9 Rp. = CHF 385. Total CHF 1'832. Amortisation rund 12 Jahre. Das ist die wirtschaftlichste Konstellation 2026 und gleichzeitig diejenige, die immer mehr Schweizer Haushalte fahren.
Warum Speicher jetzt anders rechnet
In der alten Welt mit 12.6 Rp./kWh Einspeisevergütung war die Differenz zum Bezugspreis (27.7 Rp.) rund 15 Rp./kWh. Heute, mit 9 Rp./kWh Einspeisung, sind es 18.7 Rp./kWh. Pro kWh Verschiebung vom Netz in den Eigenverbrauch verdienen Speicher heute also rund 25 Prozent mehr als noch vor zwei Jahren. Das macht Speicher betriebswirtschaftlich nicht zum Selbstläufer, aber die Lücke schliesst sich. Wer ohnehin schon eine Wärmepumpe und ein E-Auto im Haus hat, fährt mit einem mittleren Speicher von 8 bis 12 kWh inzwischen wirtschaftlich plausibel.
Wärmepumpe als Eigenverbraucher Nummer 1
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe in einem sanierten Einfamilienhaus zieht je nach Wetter 3'000 bis 6'000 kWh Strom pro Jahr. Der Grossteil davon fällt aber im Winter an, wenn die PV-Anlage am wenigsten produziert. Trotzdem: Selbst im Übergangsbereich März bis Mai und September bis November kann eine intelligente Steuerung den Pufferspeicher gezielt mit Solarüberschuss laden. Realistisch sind 500 bis 1'200 kWh/Jahr direkter Solar-Eigenverbrauch durch die Wärmepumpe. Das ist mehr als jeder Batteriespeicher in der gleichen Preisklasse liefert.
Wallbox und Überschussladen: der unterschätzte Hebel
Ein E-Auto, das tagsüber zuhause steht, ist der mit Abstand günstigste Speicher der Schweiz. Eine moderne Wallbox mit PV-Überschusssteuerung lädt das Fahrzeug nur dann, wenn die Module mehr produzieren als der Haushalt verbraucht. Wer 12'000 km im Jahr fährt und damit rund 2'200 kWh Ladestrom braucht, kann davon zwischen April und Oktober realistisch 60 bis 80 Prozent aus dem PV-Überschuss decken. Das sind nochmals rund CHF 350 bis 450 Mehrwert pro Jahr, ohne zusätzliche Hardware-Investition, wenn die Wallbox PV-überschuss-fähig ist (mehrere Geräte ab CHF 800 inklusive Steuerung).
Die ehrliche Antwort: für wen lohnt sich Solar 2026 nicht?
Wer ein älteres Haus mit Ölheizung hat, kaum tagsüber daheim ist, kein E-Auto plant und auf einem Norddach mit 25 Grad sitzt, sollte zweimal rechnen. Wenn die Eigenverbrauchsquote unter 25 Prozent bleibt und der Strompreis im Versorgungsgebiet bereits unter 22 Rp./kWh liegt (etwa in einigen Tessiner und Westschweizer Gemeinden), rutscht die Amortisation auf 18 bis 22 Jahre. Das ist nicht katastrophal, aber auch kein Selbstläufer.
Wer dagegen plant, in den nächsten fünf Jahren eine Wärmepumpe oder ein E-Auto anzuschaffen, sollte die PV-Anlage jetzt auslegen und nicht später. Eine 2026 installierte Anlage kann von Anfang an die spätere Elektrifizierung des Hauses bedienen, statt nachträglich erweitert zu werden, was ineffizient und teurer ist.
Was die Pronovo-Methodik konkret bedeutet
Wer den Q1-Wert von 10.27 Rp./kWh richtig einordnen will, muss die Berechnung verstehen. Der Referenz-Marktpreis Solar ist nicht einfach der Spotpreis-Durchschnitt eines Quartals. Er ist nach den effektiv eingespeisten Viertelstunden gewichtet. Da Solar dann produziert, wenn die Sonne scheint, also genau dann, wenn auch alle anderen PV-Anlagen einspeisen, ist der gewichtete Wert systematisch tiefer als der Grunddurchschnitt. Im Sommer 2025 lag der ungewichtete Q3-Spotpreis im Bereich von 7 bis 8 Rp./kWh, der gewichtete Solar-Referenzwert aber nur bei 5.73 Rp./kWh. Dieser Effekt verstärkt sich mit jedem zusätzlich zugebauten Kilowattpeak in der Schweiz. Wer 2026 plant, sollte für Q2 und Q3 mit Referenz-Marktpreisen zwischen 3 und 6 Rp./kWh rechnen, und in diesem Bereich greift die Mantelerlass-Mindestvergütung.
Was Sie im Vertrag mit Ihrem EVU genau prüfen sollten
Die meisten EVU bieten 2026 zwei Modelle an: einen Marktpreis-orientierten Tarif (Quartalsabrechnung nach BFE-Referenzwert) und einen garantierten Mindesttarif für Kleinanlagen. Lesen Sie die Konditionen für die HKN-Vermarktung sorgfältig: Einige EVU zahlen 3 Rp./kWh nur, wenn die Anlage in Pronovo registriert ist und ein gültiger HKN-Vertrag besteht. Bei BKW liegt die HKN-Vergütung für naturemade-star-zertifizierte Anlagen ab 1. April 2026 nur noch bei 2.0 Rp./kWh, früher waren es bis zu 3.5 Rp./kWh.
Für die Vertiefung
Eine grundlegendere Wirtschaftlichkeits-Betrachtung samt Förderprogramm-Übersicht haben wir in unserem Beitrag Lohnt sich Photovoltaik in der Schweiz 2026? zusammengestellt.
Bereit für eine ehrliche Berechnung?
Wir bei Free State AG rechnen Ihre Anlage so durch, wie wir sie unserer eigenen Familie verkaufen würden: mit dem effektiven Eigenverbrauchsprofil Ihres Haushalts, mit dem aktuellen Rückliefertarif Ihres EVU (nicht dem Werbeprospekt), mit der ehrlichen Amortisation. Wenn die Anlage bei Ihnen nicht aufgeht, sagen wir Ihnen das. Wenn ein Speicher heute noch nicht rechnet, sagen wir Ihnen auch das, samt der Frage, ob er es in fünf Jahren tun wird. Kontakt: freestate.ch/de/contact.
Quellen: ElCom-Tarifmedianmitteilung 10. September 2025; EKZ-Tarifsammlung 2026 und Rückliefertarif-PDF; Pronovo Referenzmarktpreis Q1 2026 (BFE/opendata.swiss); Swissolar-Faktenblatt zu den PV-Neuerungen 2026; VESE pvtarif.ch; BKW-Mitteilung Mindestvergütung und HKN ab 1.1.2026; Stand: Mai 2026. Angaben ohne Gewähr.