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Solar-Offerte richtig vergleichen 2026: Die Checkliste für Schweizer Hauseigentümer

Solar-Offerte richtig vergleichen 2026: Die Checkliste für Schweizer Hauseigentümer

Ivan Miric·

Eine durchschnittliche 10 kWp-Offerte für ein Schweizer Einfamilienhaus liegt 2026 zwischen CHF 22'000 und CHF 32'000 inkl. MWST und vor Abzug der Einmalvergütung. Diese Spannweite von rund 45 Prozent bei vergleichbarer Anlagengrösse ist kein Zufall. Sie zeigt, dass Offerten sich nicht über den Endpreis vergleichen lassen, sondern über die Komponenten, die Garantien und die Bedingungen dahinter.

Wer drei Offerten nebeneinanderlegt und einfach die günstigste wählt, kauft am Ende oft einen No-Name-Wechselrichter mit 5 Jahren Garantie, ein Montagesystem ohne SUVA-Konformitätsnachweis und einen Vertrag, der die Einmalvergütung (EIV) stillschweigend an den Installateur abtritt. Diese Checkliste deckt die 11 Punkte ab, die in jeder seriösen Offerte stehen sollten. Wenn ein Anbieter zu mehreren davon keine klare Antwort liefert, ist das selbst die Antwort.

1. CHF pro kWp: der einzig faire Preisvergleich

Der wichtigste Wert auf jeder Offerte ist CHF pro kWp, inklusive Mehrwertsteuer und vor Abzug der EIV. Nur so lassen sich Anlagen verschiedener Grössen vergleichen.

Benchmarks für 2026 bei schlüsselfertigen EFH-Anlagen ohne Batterie:

  • Kleinanlage 3 bis 5 kWp: CHF 2'200 bis 2'600/kWp
  • Standard EFH 6 bis 10 kWp: CHF 1'900 bis 2'400/kWp
  • Grössere Anlagen ab 15 kWp: CHF 1'600 bis 2'000/kWp

Liegt eine Offerte deutlich unter dem Benchmark, fragen Sie nach Modulen, Wechselrichter und Garantieumfang. Liegt sie deutlich darüber, fragen Sie, was im Preis enthalten ist, das die anderen nicht haben. Konsultationsleistungen, ein langjähriger Monitoring-Vertrag oder ein hochwertiger Speicher können einen Aufpreis rechtfertigen. Ein Slogan wie "Premium-Schweizer-Qualität" ohne weitere Konkretisierung rechtfertigt ihn nicht.

2. Modul-Hersteller: Tier 1 oder No-Name

In der Offerte steht ein konkreter Modulhersteller, eine Modellnummer und die Wattzahl pro Modul. Steht dort nur "hochwertige monokristalline Module", ist das ein rotes Tuch.

Gängige Tier-1-Hersteller auf dem Schweizer Markt 2026: Meyer Burger (Schweizer Produktion, Premiumpreis), REC (norwegisch, hochwertig), LONGi, JA Solar, Trina Solar, Jinko Solar (chinesische Volumenhersteller mit stabilen Bilanzen). Diese Marken bieten in der Regel 12 bis 15 Jahre Produktgarantie und 25 bis 30 Jahre Leistungsgarantie.

Bei No-Name-Modulen geht es nicht primär um die Leistung am Tag 1, sondern um die Frage, wer in 15 Jahren noch existiert, um die Garantie einzulösen. Modulgarantien sind nur so viel wert wie die Bilanz des Herstellers.

3. Wechselrichter: Marke, Modell, Garantie

Der Wechselrichter ist nach 10 bis 15 Jahren statistisch das erste Bauteil, das ersetzt werden muss. Ein Tausch kostet ohne Garantie schnell CHF 2'000 bis 3'500.

Etablierte Marken auf dem Schweizer Markt: SMA (deutsch, lange Standardgarantie), Fronius (österreichisch, mit Online-Registrierung bis 10 Jahre kostenlos), Huawei, Sungrow, GoodWe, Solaredge (für Anlagen mit Optimierern).

Standardgarantie sind 5 bis 10 Jahre. Verlängerungen auf 15 oder 20 Jahre kosten zwischen CHF 250 und CHF 900, je nach Hersteller und Leistungsklasse, und sollten in der Offerte separat ausgewiesen sein. Fragen Sie konkret: Wer ist Garantiegeber, der Hersteller oder der Installateur? Was passiert mit der Garantie, falls der Installateur in Konkurs geht? Mehr dazu in unserem Beitrag Solarfirma in Konkurs: was Hauseigentümer jetzt tun müssen.

4. Montagesystem und Dachhaken

Bei der Unterkonstruktion verstecken sich die Wartungskosten der Zukunft. Anerkannte Systeme auf dem Schweizer Markt sind Schletter, K2 Systems, Solarmount und Esdec. Diese liefern statische Nachweise, Schweizer Schnee- und Windlastberechnungen sowie Materialgarantien von 12 bis 20 Jahren.

In der Offerte sollte stehen: Marke und System, verwendete Dachhaken, ob ein statischer Nachweis beigelegt wird, und ob die Dichtigkeit über die Originalpfannen oder Spezialhaken sichergestellt ist. Ein Installateur, der nicht weiss, wie der Dachhaken heisst, montiert ihn vermutlich auch nicht sauber.

5. Garantien: produkt- und leistungsseitig getrennt

Es gibt drei Garantien, die in jeder Offerte separat ausgewiesen sein müssen:

  • Produktgarantie Module: 12 bis 25 Jahre (Tier-1-Standard 2026: 15 bis 25 Jahre)
  • Leistungsgarantie Module: 25 bis 30 Jahre, typisch 84 bis 87 Prozent Restleistung nach 25 Jahren
  • Garantie Wechselrichter: 5 bis 10 Jahre Standard, optional bis 20 Jahre
  • Garantie auf Montagesystem: 10 bis 20 Jahre
  • Werkleistungsgarantie Installateur: mindestens 5 Jahre, nach Schweizer Werkvertragsrecht (Art. 367 ff. OR)

Wenn die Offerte nur "25 Jahre Garantie" sagt, ohne zu spezifizieren worauf, fragen Sie nach. Vermutlich ist nur die Modul-Leistungsgarantie gemeint, nicht das gesamte System.

6. Einmalvergütung und Netzanmeldung: wer macht die Papierarbeit

Die Einmalvergütung (EIV) wird über Pronovo abgewickelt und beträgt 2026 weiterhin einen Grundbeitrag plus einen Leistungsbeitrag pro kWp. Für eine 10 kWp-Anlage liegt die Rückerstattung typisch bei CHF 4'500 bis 5'500, je nach aktueller Tarifrunde. Die EIV fliesst direkt an den Anlageneigentümer, falls nichts anderes vereinbart wurde.

Klären Sie schriftlich:

  • Wer reicht das EIV-Gesuch bei Pronovo ein, der Installateur oder Sie selbst?
  • Wer schreibt das Anschlussgesuch und die Inbetriebnahmemeldung für den lokalen Netzbetreiber?
  • Fliesst die EIV-Auszahlung an Sie oder zuerst an den Installateur, der dann den Restbetrag verrechnet?
  • Wer organisiert die Schlussvermessung und das Abnahmeprotokoll des Netzbetreibers?

Bei seriösen Anbietern sind diese Punkte in der Offerte oder im Vertragsentwurf klar geregelt. Bei weniger seriösen Anbietern "vergisst" man, dass die EIV abgetreten wurde, bis sie überwiesen wird.

7. SUVA, Solarprofi-Label und Qualifikationen

Solarinstallationen sind Höhenarbeit. Die SUVA verlangt einen Höhensicherheitskurs und einen verbindlichen Sicherheitsplan auf jeder Baustelle. Fragen Sie in der Offerte konkret nach:

  • SUVA-Höhensicherheitsschulung des Montageteams (Nachweis)
  • Solarprofi-Label von Swissolar: Voraussetzung sind Sitz in der Schweiz oder Liechtenstein, abgeschlossene Aus- und Weiterbildung, Erstabnahme einer Referenzanlage und Erneuerung alle drei Jahre
  • Zertifizierte Elektrofachkraft für den AC-seitigen Anschluss (Konzession Stufe B oder höher beim Netzbetreiber)
  • Berufsversicherung gegen Bauschäden und Personenunfälle

Ein Solarprofi-Label garantiert nicht den günstigsten Preis. Aber es garantiert, dass der Installateur ein dokumentiertes Qualitätsregime hat und dass im Schadensfall ein Beschwerdeweg existiert.

8. Zahlungsplan: Anzahlung, Zwischenraten, Schlusszahlung

Bei der Anzahlung trennt sich die Spreu vom Weizen. Ein gesunder Zahlungsplan für eine PV-Anlage in der Schweiz sieht typischerweise so aus:

  • Anzahlung bei Vertragsunterschrift: 20 bis 30 Prozent
  • Zwischenrate bei Materiallieferung oder Baustart: 50 bis 60 Prozent
  • Schlusszahlung nach erfolgreicher Inbetriebnahme und Abnahme durch Netzbetreiber: 10 bis 20 Prozent

Verlangt ein Anbieter 80 oder 100 Prozent Anzahlung vor Materiallieferung, ist das ein massives Warnsignal. Es ist nicht nur kundenfeindlich, es ist auch ein klassisches Zeichen für angespannte Liquidität. Lehnen Sie ab, oder verlangen Sie eine Bankgarantie für die Anzahlung.

9. Abnahmeprotokoll und Inbetriebnahmemeldung

Die Schlusszahlung darf erst nach erfolgreicher Abnahme fällig sein. Konkret heisst das: Inbetriebnahmemeldung (IBN) beim Netzbetreiber liegt vor, der Zähler ist umgestellt, die Anlage speist tatsächlich ein, und ein gemeinsam unterzeichnetes Abnahmeprotokoll listet die installierten Komponenten samt Seriennummern.

Lassen Sie sich die Module-Seriennummern im Abnahmeprotokoll geben. Sie brauchen sie für jede spätere Garantieabwicklung, und Sie können damit verifizieren, dass tatsächlich die zugesagten Module verbaut wurden.

10. Versicherung während der Bauphase

Während Montage und bis zur Abnahme sind Risiken am Bau abgedeckt durch:

  • Bauherrenhaftpflicht des Eigentümers (oft als Zusatz zur Privathaftpflicht oder über die GVB bzw. die Kantonale Gebäudeversicherung abdeckbar)
  • Werkzeug- und Materialversicherung des Installateurs
  • Berufshaftpflicht des Installateurs (Mindestdeckung typischerweise CHF 5 Mio.)

Lassen Sie sich vom Installateur eine Versicherungsbestätigung zeigen. Nach Inbetriebnahme deckt in der Regel Ihre Gebäudeversicherung die Anlage, prüfen Sie aber die Wertgrenze und melden Sie die PV-Anlage der zuständigen Kantonalen Gebäudeversicherung.

11. Konkursklausel: was passiert, wenn der Installateur untergeht

Die letzte und unangenehmste Frage, die kaum eine Offerte von sich aus beantwortet: Was passiert, wenn der Installateur zwischen Anzahlung und Inbetriebnahme Konkurs anmeldet?

Worauf Sie achten:

  • Eigentumsvorbehalt: Solange Sie nicht voll bezahlt haben, bleiben Material und Anlage juristisch Eigentum des Installateurs. Der Konkursverwalter kann sie verwerten. Lassen Sie sich den Eigentumsübergang spätestens mit Materiallieferung schriftlich bestätigen.
  • Bankgarantie oder Treuhandkonto für die Anzahlung: bei grösseren Anlagen verhandelbar.
  • Direkter Garantievertrag mit Modul- und Wechselrichterherstellern: Tier-1-Marken bieten oft eine Übertragung der Garantie auf den Endkunden an, unabhängig vom Installateur.
  • Wartungsvertrag mit einem zweiten Schweizer Solarbetrieb: kostet CHF 200 bis 400/Jahr und schliesst die Lücke, falls Ihr Installateur ausfällt.

Das ist kein Schwarzmalen. 2024 und 2025 sind in der Schweiz mehrere mittelgrosse Solar-Installateure in finanzielle Schieflage geraten. Wer die Klauseln vorab regelt, schläft besser.

Wie Sie drei Offerten konkret vergleichen

Legen Sie die drei Offerten nebeneinander und tragen Sie für jede dieser 11 Positionen die Antwort in eine Tabelle ein. Was nicht in der Offerte steht, fragen Sie schriftlich nach. Die schriftliche Antwort wird Teil des Vertrags.

Erfahrungsgemäss fällt nach diesem Vergleich der Preisrang oft anders aus als auf der Titelseite. Eine Offerte, die nominell CHF 2'800 teurer ist, kann über 20 Jahre CHF 6'000 bis 9'000 günstiger sein, sobald Sie Wechselrichterersatz, EIV-Bürokratie und Versicherungslücken einrechnen.

Wir machen Ihnen eine ehrliche Offerte

Bei Free State AG erhalten Sie eine Offerte, in der diese 11 Punkte alle benannt sind: Marke, Modell, Garantie, Zahlungsplan, EIV-Abwicklung und Konkurssicherung. Wir reichen die Einmalvergütung in Ihrem Namen ein, melden die Anlage beim Netzbetreiber an und treten erst zur Schlusszahlung an, wenn das Abnahmeprotokoll unterschrieben ist. Wir arbeiten mit Tier-1-Modulen, SMA- oder Fronius-Wechselrichtern und Schletter- oder K2-Montagesystemen. Wenn nach dem Vergleich ein anderer Anbieter besser zu Ihrem Dach, Ihrem Budget oder Ihrer Zeitplanung passt, sagen wir das auch. freestate.ch/de/contact

Quellen: Swissolar (Solarprofi-Label, Marktberichte 2025/26), Pronovo (EIV-Tarife 2026), CKW Marktbericht Photovoltaik Schweiz, Beobachter Marktvergleich PV-Offerten, SUVA Höhensicherheit, Schweizer Obligationenrecht Art. 367 ff. Stand: Mai 2026. Angaben ohne Gewähr.