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Klimaanlage mit Solarstrom betreiben: Rechnung für ein Schweizer EFH

Klimaanlage mit Solarstrom betreiben: Rechnung für ein Schweizer EFH

Ivan Miric·

Der Sommer 2024 brachte in Locarno Monti 38 Hitzetage, in Lugano 29. MeteoSchweiz und die ETH Zürich rechnen in ihren neuen Klimaszenarien von 2025 mit deutlich mehr Hitzetagen und Tropennächten, in der Stadt Zürich mit rund fünfmal so vielen Tropennächten wie heute. Damit wird die Klimaanlage im Schweizer Einfamilienhaus vom Luxus zum Thema. Kurze Antwort für Solaranlagen-Besitzer: Wenn das Gerät mit dem eigenen PV-Überschuss läuft, kostet ein ganzer Sommer Kühlung weniger als ein Restaurantbesuch.

Warum PV und Klimaanlage zeitlich perfekt zusammenpassen

Eine Solaranlage liefert genau dann am meisten Strom, wenn der Kühlbedarf am grössten ist: an heissen, sonnigen Sommertagen über Mittag. Während Heizung und Warmwasser im Winter mit dem schwachen Solarertrag kollidieren, fällt die Kühllast mit der Produktionsspitze zusammen. Solarstrom vom eigenen Dach kostet rund 10 bis 15 Rp./kWh über die Lebensdauer der Anlage gerechnet, Netzstrom dagegen im Mittel 27.7 Rp./kWh. Jede Kilowattstunde, mit der Sie selbst kühlen statt sie ins Netz zu schicken, ist deshalb mehr wert als der Einspeiseerlös.

Genau hier liegt der Reiz. Seit 2026 sinkt die Vergütung für eingespeisten Solarstrom auf eine Untergrenze von 6 Rp./kWh für Anlagen unter 30 kW, und ab 2027 richtet sich der Erlös nach dem stündlichen Spotmarktpreis, der zur sonnenreichen Mittagszeit regelmässig gegen null fällt. Der Sommerüberschuss, der ins Netz fliesst, bringt also kaum etwas ein. Wer ihn stattdessen zum Kühlen nutzt, holt aus derselben Kilowattstunde den vollen Gegenwert heraus. Was Sie sonst mit dem Überschuss anstellen können, haben wir in 7 Wege, PV-Überschuss zu nutzen zusammengetragen.

Wo in der Schweiz die Kühlung am dringendsten ist, zeigt der Blick nach Süden. Auf der Alpensüdseite, etwa im Tessin, summieren sich die Hitzetage schon heute auf mehrere Wochen pro Sommer, während das Mittelland rasch aufholt und die höheren Lagen meist noch mit Nachtauskühlung und Querlüften auskommen. Für ein Haus mit eigener Solaranlage verschiebt sich die Frage damit von ob zu wie. Nicht jede Region braucht ein fest installiertes Gerät, aber dort, wo die Tropennächte zunehmen, wird die Kombination aus PV und Kühlung zum naheliegenden Schritt, weil der Strom für die heissesten Stunden ohnehin vom eigenen Dach kommt.

Wie viel Strom eine Klimaanlage wirklich braucht

Der entscheidende Wert auf dem Energieetikett ist der SEER, der Seasonal Energy Efficiency Ratio. Er gibt an, wie viel Kühlleistung ein Gerät pro eingesetzter Kilowattstunde Strom über die Saison erzeugt. Ein SEER von 7 bedeutet: Aus 1 kWh Strom werden rund 7 kWh Kühlleistung. Moderne Split-Geräte der besten Effizienzklassen erreichen solche Werte mühelos.

Rechnen wir konkret. Ein Split-Gerät mit 3.5 kW Kühlleistung und einem SEER von 7 zieht im Betrieb rund 0.5 kW. Läuft es an einem heissen Tag sechs Stunden, verbraucht es etwa 3 kWh. Für ein durchschnittliches Schweizer Einfamilienhaus mit rund 70 effektiven Kühltagen pro Sommer ergibt das gut 210 kWh im Jahr. Zum Vergleich: Eine 10-kWp-Solaranlage produziert über Mittag locker 6 bis 8 kW, also ein Vielfaches dessen, was die Klimaanlage zieht. Das Gerät verschwindet im Solarüberschuss.

Rechenbeispiel: ein Sommer Kühlung für rund CHF 13

Bleiben wir bei den 210 kWh, die unser Split-Gerät über den Sommer verbraucht. Drei Szenarien für ein Einfamilienhaus mit 10-kWp-Anlage:

  • Reiner Netzbetrieb: 210 kWh zum mittleren Tarif von 27.7 Rp./kWh kosten rund CHF 58 pro Sommer.
  • Betrieb mit PV-Überschuss: Dieselben 210 kWh hätten Sie sonst zur Untergrenze von 6 Rp./kWh ins Netz eingespeist, also für rund CHF 13. Genau dieser Betrag ist der entgangene Erlös, und damit faktisch der ganze Stromaufwand fürs Kühlen.
  • Differenz: Über das Netz zu kühlen kostet also rund CHF 45 mehr als mit dem eigenen Überschuss.

Die ehrliche Einordnung: Die laufenden Stromkosten einer effizienten Klimaanlage sind ohnehin tief, mit oder ohne Solar. Eine Klimaanlage rechnet sich nicht über eingesparten Strom, das ist eine Komfortinvestition. Was die Solaranlage leistet, ist, die Betriebskosten praktisch auf null zu drücken und einen Sommerüberschuss zu verwerten, der im Netz fast nichts mehr bringt. Wie wenig das ist, zeigt unser Beitrag zur Solarstrom-Vergütung ab 2027.

Das Timing-Problem: Mittagssonne gegen Hitze am Abend

Eine Schwierigkeit bleibt. Die Solaranlage produziert am meisten zwischen 11 und 15 Uhr, die Hitze in den Wohnräumen staut sich dagegen oft erst am späten Nachmittag und Abend. Wer die Klimaanlage erst um 20 Uhr einschaltet, kühlt mit Netzstrom, nicht mit der Sonne. Es gibt drei Wege, dieses Auseinanderfallen zu glätten.

Erstens das Vorkühlen: Über Mittag, wenn die Sonne scheint, läuft die Klimaanlage und kühlt die Räume ein bis zwei Grad unter den Wohlfühlwert. Die Bausubstanz speichert diese Kühle und gibt sie über den Abend ab. Zweitens ein Batteriespeicher, der den Mittagsüberschuss aufnimmt und die Klimaanlage am Abend versorgt. Drittens die Gebäudehülle: Aussenliegender Sonnenschutz, Nachtauskühlung durch Querlüften und gute Dämmung senken die Kühllast so weit, dass die Mittagskühlung für den ganzen Tag reicht. Ob sich ein Speicher allein für diesen Zweck lohnt, klärt unsere Batteriespeicher-Rechnung.

Was eine Split-Klimaanlage in der Schweiz kostet

Die Anschaffung ist der grössere Posten als der Betrieb. Ein einzelnes Split-Gerät mit Aussen- und Inneneinheit kostet inklusive Montage, Inbetriebnahme und Material in der Schweiz typischerweise CHF 3'500 bis CHF 5'500. Einfache Einzelgeräte beginnen bei rund CHF 1'850. Wer mehrere Räume mit einem Multisplit-System kühlen will, rechnet je nach Leitungslänge, Zugänglichkeit und Anspruch mit CHF 6'000 bis CHF 12'000.

Dazu kommen wiederkehrende Kosten. Die jährliche Wartung eines Split-Geräts liegt bei rund CHF 150 bis CHF 350, und für die Baubewilligung fällt in vielen Gemeinden eine Gebühr zwischen CHF 100 und CHF 500 an. Gegenüber diesen Beträgen ist der Stromaufwand von gut CHF 13 mit Solarüberschuss eine Randnotiz. Der Hebel für die Wirtschaftlichkeit liegt bei der Anschaffung und der Frage, ob ein separates Gerät überhaupt nötig ist.

Die reversible Wärmepumpe als Alternative

Wer eine Wärmepumpe hat oder plant, braucht für die Kühlung oft gar kein zweites Gerät. Viele Wärmepumpen sind reversibel und können im Sommer kühlen, indem sie dem Gebäude Wärme entziehen und nach aussen abgeben. Genutzt wird dafür die bestehende Fussboden- oder Wandheizung, die im Sommer schlicht zur Flächenkühlung wird, ohne zusätzliche Investition in Innengeräte.

Man unterscheidet zwei Modi. Bei der passiven Kühlung, möglich mit Erdsonden- oder Grundwasser-Wärmepumpen, bleibt der Verdichter aus, nur Umwälzpumpe und Steuerung laufen. Das senkt die Raumtemperatur um rund drei Grad und spart gegenüber einer konventionellen Klimaanlage rund 80 Prozent Strom. Bei der aktiven Kühlung läuft der Prozess umgekehrt wie beim Heizen, die Kühlleistung ist höher, der Stromverbrauch liegt rund 20 Prozent unter dem einer klassischen Klimaanlage. Für ein Haus mit Wärmepumpe und Flächenheizung ist das meist die elegantere und günstigere Lösung. Wie sich Solar und Wärmepumpe übers Jahr ergänzen, zeigt der Beitrag zur Solar-Wärmepumpe-Kombination.

Bewilligung: was die Kantone verlangen

Hier wird es kantonal. Fest installierte Split-Klimageräte gelten als bauliche Veränderung und sind in den meisten Kantonen baubewilligungspflichtig. Die genauen Kriterien, ab wann ein Baugesuch nötig ist, unterscheiden sich von Kanton zu Kanton und teils von Gemeinde zu Gemeinde. Für die Bewilligung verlangen viele Kantone einen Energienachweis nach Formular EN-110, der belegt, dass die Räume die Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz erfüllen.

Eine häufige Auflage ist ein automatischer aussenliegender Sonnenschutz, also eine Storenanlage, die bei Sonneneinstrahlung selbständig herunterfährt. Der Gedanke dahinter: Erst die Hitze draussen halten, dann erst aktiv kühlen. Mobile Monoblock-Geräte, die man ohne Eingriff in die Gebäudehülle aufstellt, sind dagegen meist bewilligungsfrei, dafür lauter und weniger effizient. Wer ein fixes Gerät plant, klärt die Bewilligungsfrage am besten vor dem Kauf beim zuständigen kantonalen oder kommunalen Bauamt. Hinzu kommt das Nachbarschaftsrecht, denn die Ausseneinheit verursacht Geräusche, die einzuhalten sind.

Smarte Steuerung: nur mit Überschuss kühlen

Damit die Klimaanlage tatsächlich Solarstrom nutzt und nicht teuren Netzstrom, braucht es eine Steuerung. Im einfachsten Fall hängt das Gerät an einer schaltbaren Steckdose, die es nur freigibt, wenn die Anlage Überschuss produziert. Komfortabler regelt ein Energiemanagementsystem (HEMS) den Betrieb: Es startet die Kühlung bevorzugt dann, wenn die PV-Produktion den übrigen Hausverbrauch übersteigt, und drosselt sie, sobald eine Wolke aufzieht.

In Kombination mit einem Speicher entsteht so ein geschlossener Sommerkreislauf: Die Mittagssonne kühlt direkt und lädt parallel die Batterie, die am Abend die Kühlung und den restlichen Haushalt versorgt. Wichtig ist, das Gerät und die Anlage aufeinander abzustimmen. Ein überdimensioniertes Klimagerät, das selten und kurz mit voller Last läuft, arbeitet ineffizienter als ein passend ausgelegtes, das gleichmässig mit Solarstrom durchläuft.

Was Sie vor dem Kauf prüfen sollten

Eine Klimaanlage ist eine Komfortentscheidung, die mit der eigenen Solaranlage günstig im Betrieb wird. Die folgenden Punkte entscheiden, ob die Rechnung am Ende aufgeht.

  • Reversible Wärmepumpe zuerst prüfen: Wer eine Wärmepumpe mit Flächenheizung hat, kommt oft ohne separates Klimagerät aus.
  • SEER beachten: Je höher der Wert, desto mehr Kühlung pro Kilowattstunde Solarstrom. Greifen Sie zur besten verfügbaren Effizienzklasse.
  • Bewilligung früh klären: Fixe Split-Geräte sind in den meisten Kantonen bewilligungspflichtig, inklusive Energienachweis und oft automatischem Sonnenschutz.
  • Auf Überschuss steuern: Schaltsteckdose oder Energiemanagement sorgen dafür, dass das Gerät Solarstrom nutzt und nicht das Netz.
  • Gebäudehülle nicht vergessen: Storen, Nachtlüftung und Dämmung senken die Kühllast und damit die nötige Gerätegrösse.
  • Richtig dimensionieren: Lieber ein passend ausgelegtes Gerät als ein überdimensioniertes, das ineffizient taktet.

Ob bei Ihnen ein Split-Gerät, die reversible Wärmepumpe oder schlicht besserer Sonnenschutz die richtige Antwort auf heisse Sommer ist, hängt von Haus, Heizung und Verbrauchsprofil ab. Wir rechnen Ihre Anlage so durch, wie wir sie der eigenen Familie verkaufen würden. Wenn etwas nicht aufgeht, sagen wir Ihnen das. freestate.ch/de/contact

Quellen: MeteoSchweiz und ETH Zürich (Klimaszenarien, Hitzetage 2024); BAFU; ofri.ch und daibau.ch (Kosten Split-Klimaanlagen Schweiz); Energie-Experten Schweiz und Stadt Zürich (Bewilligung, EN-110); Hoval und alpha innotec (Kühlen mit Wärmepumpe); ElCom (Strompreis 2026). Stand: Mai 2026. Angaben ohne Gewähr.

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