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PV-Überschuss im Sommer: 7 Wege, ihn zu nutzen statt für 6 Rappen zu verschenken

PV-Überschuss im Sommer: 7 Wege, ihn zu nutzen statt für 6 Rappen zu verschenken

Ivan Miric·

Eine durchschnittliche Schweizer Solaranlage produziert im Juni und Juli rund 40 Prozent ihres Jahresertrags. Ein typisches 10-kWp-Dach speist in dieser Zeit über Mittag locker 6 bis 8 kW Überschuss ins Netz, wenn niemand zuhause ist. Das Problem 2026: Der Netzbetreiber bezahlt für diesen Strom oft nur 6 bis 8 Rp./kWh, während Sie ihn am Abend für rund 27.7 Rp./kWh zurückkaufen. Kurze Antwort: Wer den Mittagsüberschuss im Haus behält, statt ihn zu verschenken, holt zwischen CHF 400 und CHF 1'200 pro Jahr mehr aus derselben Anlage. Hier sind die sieben Wege, das zu schaffen.

Die Arithmetik des Sommerüberschusses

Seit dem 1. Januar 2026 gilt in der Schweiz eine schweizweit einheitliche Logik für die Vergütung: Die meisten EVU richten sich nach dem Referenz-Marktpreis des BFE, also dem gewichteten Day-Ahead-Preis für das Marktgebiet Schweiz. In den Sommerquartalen liegt dieser Preis aktuell oft zwischen 4 und 8 Rp./kWh. Manche Versorger zahlen zusätzlich eine Herkunftsnachweis-Vergütung von bis zu 3 Rp./kWh, viele aber nicht. Im Juli mittags, wenn alle Anlagen gleichzeitig einspeisen, sinkt der Marktpreis an manchen Tagen auf weniger als 2 Rp./kWh.

Daraus folgt eine einfache Rechnung. Eine kWh, die Sie selbst verbrauchen, ist im Sommer wert: 27.7 Rp. minus 6 Rp. = 21.7 Rp. zusätzliche Einsparung pro kWh. Auf 3'000 kWh nicht eingespeisten Mittagsstrom über die Sommerhalbjahre macht das CHF 651 pro Jahr, die nicht im Tarifvergleich, nicht in der Modulwahl, sondern in der Nutzungsstrategie stecken. Das ist der eigentliche Hebel. Die Hardware steht ohnehin auf dem Dach. Wir gehen die Mechanik im Detail in unserem Beitrag zum neuen Rückliefertarif 2026 durch.

Weg 1: Warmwasser per Heizstab

Der einfachste Eingriff. Ein elektrischer Heizstab mit 2 bis 3 kW Leistung wird in den Warmwasserspeicher eingeschraubt und über eine Überschuss-Steuerung an die Solaranlage gekoppelt. Sobald der PV-Wechselrichter mehr produziert, als das Haus verbraucht, schaltet der Heizstab stufenweise zu, statt den Überschuss ins Netz zu schicken. Ein 300-Liter-Speicher braucht rund 14 kWh, um von 20 auf 60°C aufgeheizt zu werden, ein vierköpfiger Haushalt verbraucht im Sommer ähnlich viel pro Tag.

Realistisch lassen sich von April bis Oktober 1'000 bis 1'500 kWh pro Jahr für Warmwasser über den Heizstab decken. Bei einem Differenzwert von 21 Rp./kWh entspricht das CHF 210 bis CHF 315 pro Jahr. Die Hardware kostet einmalig zwischen CHF 350 und CHF 900 für einen Heizstab plus Smart-Relais oder Energy-Manager, plus Installation. Amortisation liegt zwischen drei und sechs Jahren, danach ist es reiner Gewinn.

Wichtig: Der Heizstab ersetzt nicht die Wärmepumpe oder den Gas-Brenner. Er füllt den Speicher mit gratis-Solarstrom, bevor das eigentliche Heizsystem anspringen muss. Wer mit Wärmepumpe heizt, sollte zuerst Weg 2 lesen.

Weg 2: Wärmepumpe mit SG-Ready

Praktisch jede in den letzten zehn Jahren installierte Wärmepumpe hat einen SG-Ready-Anschluss. Das sind zwei potentialfreie Relais-Kontakte, mit denen ein Energy-Management-System (EMS) der Wärmepumpe sagt: «Jetzt mehr laufen, jetzt weniger.» Bei PV-Überschuss schiebt das EMS die Brauchwassererwärmung oder die Heizungs-Vorlauf-Anhebung in die Mittagsstunden. Statt 6 Rappen einspeisen, fliessen die kWh als Wärme in den Pufferspeicher.

In Schweizer Einfamilienhäusern lassen sich auf diese Weise 800 bis 1'500 kWh Sommer-Solarstrom in den Wärmespeicher umlenken. Im Winter ist der Effekt schwächer, weil die PV-Erträge fehlen, dafür greift im Sommer der gleiche Mechanismus für die Warmwasser-Erwärmung. Mehrertrag: CHF 170 bis CHF 315 pro Jahr ohne neue Hardware, wenn die SG-Ready-Schnittstelle ohnehin vorhanden ist. Mit Nachrüstung eines EMS-Reglers wie Solar Manager kommen CHF 1'200 bis CHF 2'000 einmalig dazu.

Ein ehrliches Aber: In der Schweiz haben die wenigsten EVU bisher dynamische Netz-Signale, die SG-Ready klassisch nutzen würden. Die Steuerung erfolgt deshalb meistens lokal über den eigenen PV-Wechselrichter und das EMS. Wer ein klassisches «Smart Grid Ready»-Versprechen erwartet, wird bisher enttäuscht, der Eigenverbrauchs-Effekt funktioniert aber unabhängig davon. Wir zeigen die Kombination im Detail in unserem Beitrag zu Solar plus Wärmepumpe.

Weg 3: Elektroauto mit Überschuss laden

Wer ein E-Auto hat und tagsüber zuhause oder mit dem Velo zur Arbeit ist, hat den dankbarsten Speicher der Welt im Garagenboden stehen. Ein Renault Megane E-Tech, Tesla Model Y oder VW ID.4 bringt 60 bis 82 kWh nutzbare Batterie mit. Mit einer Überschuss-fähigen Wallbox wandert der Mittagsüberschuss direkt ins Auto, mit 1.4 bis 11 kW Ladeleistung, je nach Anschluss und Auto.

Marktstandard für PV-Überschussladen in der Schweiz ist 2026 der myenergi zappi, daneben sind go-eCharger, EVCC-kompatible Geräte und Wallboxen mit eigenem Eigenverbrauchsmodus (z. B. Fronius, SolarEdge, Huawei) verbreitet. Preis inkl. Installation in der Schweiz: CHF 1'800 bis CHF 3'200, abhängig von 1- oder 3-phasiger Auslegung und davon, ob ein Hausanschluss-Upgrade nötig ist.

Konkret: Wer im Sommer dreimal pro Woche tagsüber zuhause lädt, mit je 15 kWh, schiebt 2'000 bis 2'500 kWh pro Jahr vom Netz in den Akku. Das macht CHF 420 bis CHF 525 Mehrertrag, dazu kommt die Substitution von Tankstellen-Strom (rund 50 Rp./kWh am Schnellader), was den Effekt nochmals verdoppelt. Wer auf einen bidirektionalen Lader wartet, der den Auto-Akku abends ins Haus entlädt, findet die aktuelle Schweizer V2H-Situation in unserem V2H-Beitrag.

Weg 4: Klimaanlage mit «Nur-Solar»-Modus

Klimaanlagen waren in der Schweiz lange ein Tabu. Mit den heisseren Sommern, die das Mittelland und vor allem das Tessin seit 2018 regelmässig erleben, sind sie aber alltäglich geworden. Ein modernes Split-Inverter-Gerät mit einer Leistung von 2.5 bis 3.5 kW kühlt einen Wohnraum mit 500 bis 1'500 Watt elektrischer Leistung. Genau in der Mittagshitze, wenn die PV-Anlage am meisten produziert.

Konkret für ein Schweizer Einfamilienhaus mit Split-Klima im Wohnzimmer: 40 Sommertage à 4 Stunden Betrieb verbrauchen rund 130 kWh pro Saison. Bei reinem Netzbezug zu 27.7 Rp./kWh kostet das CHF 36. Aus dem Solar-Überschuss bezogen, ist der Strom faktisch gratis, und der Differenz-Effekt liegt bei CHF 27 pro Saison. Klein, aber wichtig: Die Klima sorgt für Komfort, ohne den Stromzähler nach oben zu treiben.

Viele Schweizer Anbieter offerieren mittlerweile Klimasysteme mit einer «Nur-Solar»-Funktion: Das Gerät schaltet erst ein, wenn der eigene Wechselrichter Überschuss anzeigt. Aufpreis pro Klimagerät: rund CHF 150 bis CHF 400 für die Smart-Schnittstelle. Bei zwei oder drei Klimasplits im Haus summiert sich die Komfort-Ersparnis schnell auf CHF 80 bis CHF 120 pro Sommer, und sie kostet faktisch keine zusätzliche Hardware ausserhalb der Klima selbst.

Weg 5: Pool und Gartenpumpe als Sommer-Senke

Ein Schweizer Gartenpool mit 30 bis 50 m³ Volumen ist ein erstaunlich grosser Stromfresser. Eine Pool-Wärmepumpe bringt aus 1 kWh Strom 4 bis 6 kWh Wärmeenergie ins Wasser, was die Saison von Mitte Mai bis Mitte September verlängert. Eine typische Pool-WP zieht im Tagesbetrieb 1.5 bis 3 kW, also exakt das, was die Mittags-PV liefert.

Zahlen für ein Einfamilienhaus mit 36 m³ Pool im Aargau: Sommerstrombedarf der Pool-WP rund 1'200 kWh, davon liessen sich 900 bis 1'000 kWh direkt aus dem PV-Überschuss decken. Differenz-Wert: CHF 190 bis CHF 210 pro Saison. Wer keine Wärmepumpe verbaut, sondern reine Solarabsorber auf dem Garagendach hat, holt nochmals 0.5 bis 1.5 kWh/m²/Tag thermisch direkt aus der Sonne, ganz ohne den eigenen PV-Strom anzufassen.

Auch die Gartenpumpe, der Whirlpool und im Mehrfamilienhaus die Tiefgaragen-Entlüftung sind passende Senken. Pro 1'000 kWh, die Sie über Zeitschaltuhren oder den Energy-Manager in die Mittagsstunden verschieben, holen Sie CHF 210 Mehrertrag heraus.

Weg 6: Heimspeicher für die Abendstunden

Der Heimspeicher ist die teuerste, aber flexibelste Lösung. Ein 10-kWh-Lithium-Speicher kostet in der Schweiz 2026 zwischen CHF 6'000 und CHF 10'000 inklusive Installation, also rund CHF 600 bis CHF 1'000 pro kWh nutzbarer Kapazität. Der Mittagsüberschuss landet im Speicher und wird abends und früh morgens wieder ins Haus geliefert, also genau dann, wenn der Tarif teuer ist.

Wirtschaftlich: Ein gut dimensionierter 10-kWh-Speicher verschiebt 2'500 bis 3'500 kWh pro Jahr vom Netz in den Eigenverbrauch. Differenz-Wert bei 21 Rp./kWh: CHF 525 bis CHF 735 pro Jahr. Daraus ergibt sich eine Amortisationszeit von 10 bis 15 Jahren, und der Speicher hat eine erwartete Lebensdauer von 12 bis 15 Jahren. Die Rechnung ist also knapp, kann sich aber rechnen, wenn der Eigenverbrauch ohnehin hoch ist (Wärmepumpe, E-Auto, drei Personen plus zuhause).

Wichtig: Speicher zuerst dimensionieren, dann kaufen. Wer 5 kWh täglich verschiebt, braucht keinen 15-kWh-Speicher. Wir rechnen das in der Speicher-Wirtschaftlichkeit für 2026 Anlage für Anlage durch.

Weg 7: Dynamische Tarife und Lastverschiebung

Dynamische Stromtarife, bei denen der Preis stündlich an die Strombörse gekoppelt ist, sind in der Schweiz 2026 noch in der Anlaufphase. EKZ hat als erster grosser Versorger einen dynamischen Wahltarif eingeführt, neben dem klassischen Einheitstarif. Weitere EVU dürften 2027 nachziehen, das Mantelerlass-Paket zwingt sie dazu.

Für Photovoltaik-Besitzer ergibt sich daraus ein doppelter Hebel. Erstens: Wenn der Marktpreis nachts niedrig ist (typisch April bis September: 3 bis 6 Rp./kWh an Wochenenden mit viel Wind oder Solar), lohnt es sich, die Wärmepumpe oder das E-Auto auch ausserhalb der eigenen Solarstunden laufen zu lassen. Zweitens: Der eigene Mittagsüberschuss kann gezielt in jene Stunden gelegt werden, in denen er am wenigsten Wert hat (negativer Marktpreis), und alle anderen Aufgaben verschieben sich in die teuren Tarifstunden.

Hardware-seitig braucht es einen Smart Meter (in der Schweiz schrittweiser Rollout bis 2027) und einen kompatiblen Energy-Manager. Der Mehrertrag liegt 2026 noch bescheiden bei CHF 100 bis CHF 300 pro Jahr, mit steigender Tarif-Volatilität nimmt er aber jährlich zu. Details zum Schweizer Stand in unserem Beitrag zu dynamischen Stromtarifen.

So priorisieren Sie für Ihr Haus

Nicht jeder der sieben Wege passt zu jeder Familie. Eine vernünftige Reihenfolge sieht so aus:

  • Heizen Sie mit Wärmepumpe? Beginnen Sie mit Weg 2 (SG-Ready). Niedrige Hardware-Investition, sofortiger Effekt.
  • Haben Sie ein E-Auto? Direkt nach der Wärmepumpe folgt Weg 3 (Überschuss-Wallbox). Höchster absoluter Mehrertrag, schnelle Amortisation.
  • Heizen Sie mit Gas, Öl oder Pellets? Beginnen Sie mit Weg 1 (Heizstab). Günstigste Hardware, sofortige Wirkung im Sommer.
  • Wohnen Sie im Tessin oder Mittelland mit Klima im Haus? Weg 4 ist quasi gratis, wenn Sie ein neues Klimagerät kaufen.
  • Pool oder Whirlpool im Garten? Weg 5 wird oft übersehen, ist im Sommer aber der grösste Lastblock im EFH.
  • Wenn alles oben ausgeschöpft ist: Speicher (Weg 6) und dynamischer Tarif (Weg 7) sind die Feintuning-Schritte.

Die ersten drei Massnahmen kosten zusammen typischerweise CHF 2'500 bis CHF 4'500 und bringen jährlich CHF 800 bis CHF 1'200 Mehrertrag. Das ist eine Renditerechnung, die jede klassische Anlageform schlägt.

Was nicht funktioniert (und warum)

Drei Wege werden von Verkäufern gerne empfohlen, halten der Schweizer Realität aber nicht stand.

Erstens: Speicher als Erst-Lösung. Ein 10-kWh-Speicher allein, ohne Wärmepumpe oder E-Auto, schiebt typischerweise nur 1'500 kWh pro Jahr vom Netz weg, weil der Eigenverbrauch im EFH ohne grosse Verbraucher schlicht zu klein ist. Amortisation klettert dann auf 18 bis 22 Jahre, was länger als die Speicher-Lebensdauer ist.

Zweitens: Power-to-Heat ohne Pufferspeicher. Ein Heizstab, der direkt in die Wärmepumpenkreisläufe einspeist, ohne dass ein Wasser-Pufferspeicher dazwischen sitzt, blockiert die Steuerlogik und kann die Effizienz der WP senken. Immer den Pufferspeicher zuerst prüfen.

Drittens: Ladestationen, die nicht modulieren. Eine 11-kW-Wallbox ohne PV-Überschuss-Funktion lädt einfach mit Volldampf und zieht regelmässig 6 bis 7 kW aus dem Netz dazu. Das ist nicht «mit Solar laden», sondern «mit Mischstrom laden». Der Aufpreis für eine echte Überschuss-Funktion ist mit CHF 300 bis CHF 600 immer berechtigt.

Kurzes Fazit

Der Rückliefertarif von 6 bis 8 Rp./kWh wird sich 2027 und 2028 vermutlich kaum verbessern. Das ist keine schlechte Nachricht für PV-Besitzer, sondern eine klare Aufgabe: Eigenverbrauch maximieren. Wer drei oder vier der sieben Wege konsequent umsetzt, hebt den Eigenverbrauchsanteil von typisch 30 Prozent auf 55 bis 70 Prozent. Das macht aus einer ordentlichen Solar-Anlage eine wirklich rentable.

Bei Free State AG rechnen wir jede Anlage so durch, wie wir sie der eigenen Familie verkaufen würden. Wenn ein Heimspeicher in Ihrem Fall nicht aufgeht, sagen wir das. Wenn die einfache Heizstab-Lösung mehr bringt als die teure Speicher-Variante, schreiben wir das in die Offerte. Melden Sie sich, wenn Sie Ihren Sommerüberschuss durchrechnen wollen: freestate.ch/de/contact

Quellen: EKZ Blue (Rückliefertarife 2026 und dynamischer Wahltarif); BFE Referenz-Marktpreis (Day-Ahead Schweiz); Schweizerisches Energiegesetz vom 1. Januar 2026 (Mindestvergütung PV bis 150 kW); myenergi Schweiz und Solarmarkt.ch (zappi-Wallbox); Swissolar (Batteriespeicher-Marktdaten 2026); BKW Home Energy (Speicher-Preise CHF/kWh); Solar Manager (CH) und Alpha Innotec (SG-Ready-Wärmepumpensteuerung); Kibernetik und SUBAG TECH AG (Klimaanlage mit Solarstrom); Stand: Mai 2026. Angaben ohne Gewähr.