Die ElCom hat am 7. September 2026 die Stromtarife für 2027 publiziert: Der Medianhaushalt zahlt neu 26.5 Rp./kWh, rund 1.2 Rp./kWh weniger als 2026. Wer heute einen Solarrechner benutzt, der noch mit 30 Rappen kalkuliert, sieht eine Ersparnis, die es so nicht gibt. Kurze Antwort: Eine seriöse Berechnung legt offen, mit welchem Strompreis, welcher Eigenverbrauchsquote und welcher Rückliefervergütung sie rechnet. Fehlt eine dieser drei Zahlen, ist das Ergebnis eine Hausnummer.
Die fünf Bausteine hinter jedem Ergebnis
Jede Ertragsberechnung besteht aus denselben fünf Blöcken. Die Jahresproduktion in kWh, also installierte Leistung mal spezifischem Ertrag am Standort. Die Eigenverbrauchsquote, also der Anteil der Produktion, den das Haus selbst verbraucht. Der vermiedene Netzbezug, bewertet mit dem lokalen Strompreis. Der Einspeiseerlös für den Rest, bewertet mit der Rückliefervergütung des Verteilnetzbetreibers. Und die Nettoinvestition, also Anlagenpreis minus Einmalvergütung und kantonale Beiträge.
Aus diesen fünf Zahlen entsteht alles Weitere. Wer einen einzigen Block zu optimistisch ansetzt, verschiebt Amortisation und Rendite um Jahre. Und drei der fünf Blöcke sind keine Messwerte, sondern Annahmen.
Sonnendach.ch: die beste öffentliche Grundlage, und wo sie endet
Die Dachfläche ist der einzige Block, für den es in der Schweiz eine belastbare und öffentliche Datengrundlage gibt. Sonnendach.ch ist ein Gemeinschaftsprojekt von Bundesamt für Energie, swisstopo und MeteoSchweiz. Die Gebäudegeometrien stammen aus dem Datensatz swissBUILDINGS3D 2.0, die Einstrahlungswerte von MeteoSchweiz. Für jede einzelne Dachfläche wird der Sonnengang über das Jahr simuliert, inklusive Abschattung durch Gelände, Nachbargebäude und Vegetation.
Das Ergebnis ist eine Einstufung in fünf Eignungsklassen von gering bis hervorragend plus ein Ertragswert in kWh pro Jahr, seit 2023 jährlich für einen Teil der Schweiz aktualisiert. Das Gesamtpotenzial der Schweizer Hausdächer liegt nach dieser Rechnung bei rund 50 TWh pro Jahr. Ein Rechner, der Ihre Dachfläche nicht aus dieser Quelle zieht, sondern nach einer Quadratmeterzahl fragt, startet mit Ihrer Schätzung statt mit einem Messwert.
Sonnendach kennt aber nur die Dachgeometrie, nicht Ihr Dach. Nicht enthalten sind Kamine, Lukarnen, Dachfenster, Entlüftungen, die vorgeschriebenen Randabstände und die Sicherheitswege für Unterhalt und Feuerwehr. Die belegbare Fläche liegt deshalb deutlich unter der ausgewiesenen.
Ausrichtung und Neigung: die Zahlen, die wirklich zählen
Für eine Südausrichtung im Schweizer Mittelland liegt die optimale Neigung bei 30 bis 35 Grad, also genau im Bereich der meisten Schweizer Satteldächer. Abweichungen von 20 Grad nach Osten oder Westen kosten praktisch nichts. Süd-Ost und Süd-West erreichen bei 35 Grad Neigung noch rund 94 Prozent des Südertrags.
Erst bei reiner Ost- oder Westausrichtung wird es spürbar. Der Jahresertrag liegt dort rund 20 Prozent unter dem einer vergleichbaren Südanlage. Bei Ost-West-Belegung sind flachere Winkel von 10 bis 15 Grad oft die bessere Wahl. Die zweite Hälfte der Rechnung ist dabei entscheidend. Ost-West produziert übers Jahr weniger, verteilt die Produktion aber auf Morgen und Abend, also auf die Stunden, in denen ein berufstätiger Haushalt tatsächlich Strom braucht. Der tiefere Ertrag kann durch die höhere Eigenverbrauchsquote ganz oder teilweise kompensiert werden. Wie sich das rechnet, steht in Ost-West oder Süd.
Verschattung: der Posten, den kein Online-Rechner sieht
Verschattung ist der Grund, warum zwei identische Dächer in derselben Strasse unterschiedlich rentieren. Weil die Zellen eines Moduls in Serie geschaltet sind, bremst schon eine teilverschattete Zelle den Strom durch das ganze Modul. Bei einer String-Anlage mit Standardmodulen liegen die Verluste durch Teilverschattung typischerweise bei 10 bis 15 Prozent.
Leistungsoptimierer oder Modulwechselrichter holen einen erheblichen Teil davon zurück, kosten aber rund 10 bis 20 Prozent mehr als ein reines String-System. Ein Online-Rechner sieht den Nussbaum des Nachbarn nicht und die Kaminreihe des Reihenhauses ebenso wenig. Sonnendach berücksichtigt Gelände, Gebäude und Vegetation im groben Raster, nicht aber die Geometrie Ihres eigenen Dachs. Wer Verschattung hat, braucht eine Vor-Ort-Aufnahme, sonst ist die Ertragszahl systematisch zu hoch.
Das Eigenverbrauchsprofil: der grösste Hebel im ganzen Modell
Hier trennt sich eine seriöse Berechnung von einer Verkaufsgrafik. Ein Einfamilienhaus ohne Speicher verbraucht typischerweise 25 bis 35 Prozent der eigenen Produktion selbst. Mit Lastverschiebung, also Waschmaschine und Boiler am Mittag, sind 40 bis 50 Prozent erreichbar. Erst mit einem Batteriespeicher kommen Sie auf 60 bis 70 Prozent.
Die Haushaltsgrösse bestimmt, wo in diesem Band Sie landen. Der Standardhaushalt der ElCom verbraucht 4'500 kWh pro Jahr (Verbrauchsprofil H4). Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im Einfamilienhaus kommt auf 4'000 bis 6'000 kWh dazu. Ein Elektroauto mit 15'000 Kilometern und 20 kWh pro 100 Kilometer inklusive Ladeverlusten braucht rund 3'000 kWh. Ein Haushalt mit beidem liegt bei 11'500 bis 13'500 kWh.
Ein Rechner, der nur nach der Dachfläche fragt und nicht nach Personenzahl, Heizung und Fahrzeug, kann das Wichtigste gar nicht erfassen. Die Wärmepumpe verschiebt den Verbrauch zudem in den Winter, also in die Monate mit der tiefsten Produktion. Wer einfach Jahressummen gegeneinander rechnet, überschätzt die Deckung durch die eigene Anlage systematisch.
Die zwei Preise, die das Ergebnis kippen
Der erste Preis ist der Strompreis, den Sie nicht mehr bezahlen. Der Medianhaushalt zahlt 2027 26.5 Rp./kWh, zusammengesetzt aus 11.35 Rp./kWh Energie, 10.94 Rp./kWh Netznutzung, 1.74 Rp./kWh Messung und Abgaben inklusive 2.3 Rp./kWh Netzzuschlag. Auf ein Jahr gerechnet sind das CHF 1'194 statt CHF 1'247 im Jahr 2026. Die Unterschiede zwischen den rund 580 Netzbetreibern sind erheblich, der Median ist also ein Ausgangswert und nicht Ihr Tarif. Warum die Energie sinkt, die Abgaben aber bleiben, steht in Stromrechnung 2027.
Der zweite Preis ist die Rückliefervergütung. Seit dem 1. Januar 2026 richtet sie sich schweizweit nach dem vierteljährlich gemittelten Referenz-Marktpreis des Bundesamts für Energie. Für das erste Quartal 2026 lag dieser bei 10.266 Rp./kWh, für das zweite Quartal, publiziert am 14. Juli 2026, nur noch bei 3.896 Rp./kWh. Seither greift die Untergrenze. Für Anlagen bis 30 kW gilt eine Mindestvergütung von 6 Rp./kWh, unabhängig vom Eigenverbrauch. Dazu kann der Herkunftsnachweis kommen, der auf maximal 3 Rp./kWh begrenzt ist. Ab 2027 richtet sich die Vergütung nach dem Spotmarktpreis im Moment der Einspeisung, wird also stundenscharf. Was das bedeutet, steht in Solarstrom-Vergütung 2027.
Die Beispielrechnung, Schritt für Schritt
Einfamilienhaus im Mittelland, Satteldach nach Süden, 35 Grad Neigung, keine relevante Verschattung. Sonnendach weist die Hauptfläche als gut geeignet aus, nach Abzug von Kamin, Randabständen und Sicherheitsweg bleiben rund 50 Quadratmeter belegbar, also 10 kWp. Bei 1'000 kWh pro kWp sind das 10'000 kWh Produktion pro Jahr. Der Haushalt verbraucht 4'500 kWh plus 5'000 kWh für die Wärmepumpe, zusammen 9'500 kWh.
Die Investition liegt bei CHF 2'800 pro kWp, also CHF 28'000 schlüsselfertig. Die Einmalvergütung aus Grundbeitrag von rund CHF 350 und Leistungsbeitrag von rund CHF 360 pro kWp ergibt CHF 3'950. Bleiben CHF 24'050 netto.
Szenario A rechnet mit 30 Prozent Eigenverbrauch, also 3'000 kWh selbst verbraucht und 7'000 kWh eingespeist:
- Vermiedener Bezug: 3'000 kWh mal 26.5 Rp. gleich CHF 795
- Einspeiseerlös zur Mindestvergütung: 7'000 kWh mal 6 Rp. gleich CHF 420
- Jahresnutzen: CHF 1'215, Amortisation rund 19.8 Jahre
Szenario B rechnet mit 45 Prozent Eigenverbrauch, erreichbar durch Speicher, gesteuerte Wärmepumpe und Lastverschiebung, also 4'500 kWh selbst verbraucht und 5'500 kWh eingespeist:
- Vermiedener Bezug: 4'500 kWh mal 26.5 Rp. gleich CHF 1'193
- Einspeiseerlös zur Mindestvergütung: 5'500 kWh mal 6 Rp. gleich CHF 330
- Jahresnutzen: CHF 1'523, Amortisation rund 15.8 Jahre
Gleiches Dach, gleiche Anlage, gleicher Preis. Die einzige Änderung ist eine Annahme, und die Amortisation verschiebt sich um vier Jahre. Über 25 Jahre trennen die beiden Szenarien rund CHF 7'700. Vergütet der Verteilnetzbetreiber zusätzlich den Herkunftsnachweis mit 3 Rp./kWh, steigt Szenario A von CHF 420 auf CHF 630 Einspeiseerlös und die Amortisation sinkt auf rund 16.9 Jahre. Welche Eigenverbrauchsquote ein Rechner unterstellt, ist damit wichtiger als jede Kommastelle beim Modulwirkungsgrad. Die Kosten der Anlage selbst stehen in 5, 10 und 20 kWp im Detail, der Speicherfall in Lohnt sich ein Batteriespeicher.
Regionale Unterschiede: warum ein Schweizer Mittelwert nichts taugt
Der spezifische Ertrag schwankt stärker, als die meisten Rechner zugeben. Im Mittelland liegt er bei 950 bis 1'100 kWh pro kWp und Jahr, im Alpenraum bei 1'200 bis 1'300 kWh pro kWp, weil klarere Luft, tiefere Modultemperaturen und die Schneereflexion im Winter zusammenwirken. Eine Messreihe über reale Schweizer Anlagen ergab einen durchschnittlichen Jahresertrag von 1'015 kWh pro kWp und eine Degradation der Module von nur 0.2 bis 0.3 Prozent pro Jahr, deutlich weniger als in vielen Garantiebedingungen unterstellt. Auf 10 kWp gerechnet bedeutet die Spanne zwischen Mittelland und Alpenraum bis zu 3'000 kWh Unterschied pro Jahr.
Genauso gross waren lange die Unterschiede auf der Vergütungsseite. 2024 lag der Rückliefertarif je nach Verteilnetzbetreiber zwischen 5 und 17 Rp./kWh, ein Flickenteppich, den das neue Stromgesetz seit 2026 durch den harmonisierten Referenz-Marktpreis ersetzt hat. Die Einmalvergütung des Bundes ist überall identisch. Unterschiedlich bleiben die kantonalen und kommunalen Zusatzprogramme, ein eigenes Dickicht, das wir im Förderdschungel Solar 2026 sortiert haben.
Woran Sie einen Rechner erkennen, der nur Leads sammelt
Ein Rechner, der etwas berechnet, zeigt Zahlen. Ein Rechner, der Adressen sammelt, zeigt ein Formular. Die Warnsignale im Einzelnen:
- Kein Ergebnis ohne Telefonnummer. Wenn die Rechnung erst nach dem Absenden der Kontaktdaten erscheint, war die Rechnung nie der Zweck.
- Keine offengelegten Annahmen. Strompreis, Eigenverbrauchsquote, Rückliefervergütung und unterstellte Strompreissteigerung müssen sichtbar und veränderbar sein.
- Eine Eigenverbrauchsquote über 40 Prozent ohne Speicher. Das ist ohne konsequente Lastverschiebung nicht erreichbar.
- Eine Einspeisevergütung über 10 Rp./kWh als Dauerannahme. Ab 2027 gilt der Spotmarktpreis, die verlässliche Untergrenze ist 6 Rp./kWh.
- Keine Frage nach Heizung, Personenzahl oder Elektroauto. Ohne Verbrauchsprofil kann die Eigenverbrauchsquote nur geraten sein.
- Amortisation unter 10 Jahren für ein Standard-Einfamilienhaus. Das gibt es bei heutigen Vergütungen nur mit sehr hohem Eigenverbrauch, und der gehört dann ausgewiesen.
- Keine Angabe zum Stand der Daten. Tarife ändern jährlich, Referenz-Marktpreise quartalsweise.
Dieselbe Logik gilt später für die Offerte, nachzulesen in Solar-Offerte richtig vergleichen und in 8 rote Flaggen in Solar-Offerten.
Was ein Rechner grundsätzlich nicht leisten kann
Auch der beste Online-Rechner ersetzt keine Planung. Vier Dinge lassen sich am Bildschirm nicht klären. Erstens die Statik. Ob die Unterkonstruktion die zusätzliche Last inklusive Schnee trägt, zeigt nur eine Beurteilung vor Ort. Zweitens der Dachzustand, denn eine Anlage hält 25 bis 30 Jahre, eine Dachhaut nicht zwingend. Drittens der Netzanschluss, über den der Verteilnetzbetreiber im Anschlussgesuch entscheidet. Seit 2026 dürfen Netzbetreiber Anlagen zudem auf 70 Prozent der Gleichstromleistung abregeln, was übers Jahr weniger als 3 Prozent der Energie kostet. Viertens Brandschutz und Bewilligung, deren Vorgaben je nach Kanton und Gebäudetyp abweichen.
Eine methodische Grenze bleibt zudem bestehen. Gängige Einstrahlungsdatenbanken wie PVGIS oder Meteonorm liegen bei der Jahresprognose rund 5 bis 8 Prozent auseinander. Wer die optimistischste Quelle wählt statt den Mittelwert, produziert eine Zahl, die jedes Jahr enttäuscht. Wie Sie die passende Anlagengrösse eingrenzen, zeigt die Schweizer Faustformel 2.5.
Was Sie vor dem Rechnen bereitlegen sollten
Fünf Angaben machen eine Berechnung belastbar. Die Adresse, damit Dachfläche, Neigung und Ausrichtung aus den Sonnendach-Daten kommen. Den Jahresverbrauch in kWh von der letzten Stromrechnung, nicht den Frankenbetrag. Die Heizung, also ob eine Wärmepumpe vorhanden oder geplant ist. Das Fahrzeug, also ob ein Elektroauto zuhause lädt. Und den lokalen Tarif Ihres Verteilnetzbetreibers, Hoch- und Niedertarif getrennt. Ohne diese fünf Angaben bleibt jede Zahl eine Illustration.
Wir rechnen Ihre Anlage so durch, wie wir sie der eigenen Familie verkaufen würden, mit dem Tarif Ihres Netzbetreibers, Ihrem Verbrauchsprofil und der Mindestvergütung als Planungsgrösse. Wenn etwas nicht aufgeht, sagen wir Ihnen das. Eine Ersteinschätzung Ihres Dachs erhalten Sie unter freestate.ch/de/contact.
Quellen: ElCom-Medienmitteilung zu den Stromtarifen 2027 vom 7. September 2026. Sonnendach.ch von Bundesamt für Energie, swisstopo und MeteoSchweiz. Referenz-Marktpreise des Bundesamts für Energie gemäss Art. 15 EnFV, publiziert am 14. Juli 2026. Swissolar zu den Neuerungen ab 1. Januar 2026 und zur Qualität Schweizer PV-Anlagen. EKZ-Rückliefertarife 2026 und 2027. Pronovo zur Einmalvergütung. VESE pvtarif.ch. Stand: September 2026. Angaben ohne Gewähr.



