Virtueller Zusammenschluss zum Eigenverbrauch, seit 2025

vZEV: Solarstrom mit den Nachbargebäuden teilen, ohne eigene Zähler

Der virtuelle Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (vZEV) erweitert den Zusammenschluss zum Eigenverbrauch auf benachbarte Gebäude an derselben Verteilkabine oder Trafostation. Gemessen wird mit den Smart Metern des Netzbetreibers, die Elektroverteilung bleibt unangetastet. Auf dem intern verbrauchten Solarstrom fallen keine Netzkosten an.

Drei Einfamilienhäuser auf benachbarten Parzellen, verbunden über eine gemeinsame Verteilkabine

Für wen sich das Modell eignet

  • Eigentümer mehrerer Gebäude

    Eine grosse Anlage auf einem Dach versorgt auch die Nachbarliegenschaft, ohne dass Leitungen über die Parzellengrenze gezogen werden.

  • Verwaltungen und Siedlungen

    Mehrere Mehrfamilienhäuser an derselben Verteilkabine bilden einen vZEV. Der Netzbetreiber liefert die Messdaten, die Verwaltung rechnet ab.

  • Nachbarn mit Einfamilienhäusern

    Wer einen Überschuss hat, verkauft ihn an das Nachbarhaus statt zum Rückliefertarif ins Netz.

  • Gewerbe mit Nachbarbetrieben

    Ein Betrieb mit grossem Dach beliefert den Nachbarbetrieb, der tagsüber Strom braucht.

  • Bestandesbauten

    Weil die Zähler des Netzbetreibers bleiben, entfällt der Umbau der Elektroverteilung, der beim klassischen ZEV oft der grösste Kostenpunkt ist.

So funktioniert es

  1. 1

    Netztopologie abfragen

    Der Netzbetreiber gibt innert 15 Tagen Auskunft, ob die Gebäude an derselben Verteilkabine, Sammelschiene oder am selben Punkt des Stammkabels hängen.

  2. 2

    Teilnehmende festlegen

    Wer mitmacht, wird mit Zählernummer erfasst. Bestehende Mieter stimmen zu, neue Mieter werden über den Mietvertrag eingebunden.

  3. 3

    vZEV anmelden

    Die Anmeldung geht an den Netzbetreiber. Er prüft die Voraussetzungen und schaltet die Messung um.

  4. 4

    Messdaten beziehen

    Die Smart Meter des Netzbetreibers messen jede Partei im Viertelstundentakt. Die Daten gehen elektronisch an den Betreiber des vZEV.

  5. 5

    Abrechnen

    Der Betreiber verrechnet den Solarstrom nach den ZEV-Regeln, der Netzstrom kommt als Sammelrechnung vom Netzbetreiber und wird 1:1 weitergegeben.

So fliesst der Strom

Stromfluss im vZEV: Solarstrom über die Anschlussleitungen zur Verteilkabine, Messung durch den Netzbetreiber

Stromfluss im vZEV: Solarstrom über die Anschlussleitungen zur Verteilkabine, Messung durch den NetzbetreiberPV Haus ANetzVerteilkabineSmart Meter ASmart Meter BSmart Meter CHaus AHaus BHaus C

Gesetzliche Grundlage

Der vZEV ist seit 1. Januar 2025 möglich, eingeführt mit dem ersten Umsetzungspaket des Stromgesetzes. Er stützt sich auf dieselben Artikel im Energiegesetz und in der Energieverordnung wie der ZEV. Neu dürfen die Anschlussleitungen zwischen Gebäude und Verteilkabine für den Eigenverbrauch genutzt werden.

Voraussetzungen

Gemeinsame Verteilkabine oder Trafostation

Alle Gebäude hängen an derselben Verteilkabine, an derselben Sammelschiene einer Trafostation oder am selben Punkt des Stammkabels in einem Muffennetz.

Mindestens 10 Prozent Produktionsleistung

Wie beim ZEV muss die Anlagenleistung mindestens 10 Prozent der Anschlussleistung der Teilnehmenden betragen. Für Mehrfamilienhäuser gibt es Pauschalwerte im Handbuch Eigenverbrauchsregelung des VSE.

Smart Meter des Netzbetreibers

Gemessen wird mit den intelligenten Messsystemen des Netzbetreibers. Fehlen sie, baut er sie ein.

Ein Betreiber gegenüber dem Netzbetreiber

Der vZEV bestimmt, wer ihn vertritt. Meist ist das die Grundeigentümerschaft, die Aufgaben können an eine Verwaltung oder einen Dienstleister gehen.

Wer macht was

Verteilnetzbetreiber

  • Gibt innert 15 Tagen Auskunft über die Netztopologie.
  • Installiert fehlende Smart Meter und misst die internen Stromflüsse.
  • Stellt die Sammelrechnung für den Netzstrom.
  • Vergütet den eingespeisten Überschuss.

Betreiber des vZEV

  • Vertritt den vZEV gegenüber Netzbetreiber und Teilnehmenden.
  • Wird zum Stromlieferanten der Teilnehmenden für Solar- und Netzstrom.
  • Legt die Konditionen im Rahmen der ZEV-Regeln fest.
  • Meldet Mutationen an den Netzbetreiber.

Teilnehmende

  • Stimmen der Teilnahme und der Datenweitergabe zu.
  • Beziehen Solar- und Netzstrom vom Betreiber des vZEV.
  • Haben dieselben Rechte wie im klassischen ZEV.

Free State AG

  • Fragt die Netztopologie beim Netzbetreiber ab und prüft, welche Gebäude zusammen einen vZEV bilden können.
  • Dimensioniert die Anlage auf den Verbrauch aller Teilnehmenden.
  • Begleitet Anmeldung, Vereinbarungen und Datenbezug.
  • Koordiniert Abrechnung, Monitoring und einen Batteriespeicher, wo er die Bilanz verbessert.

Rechenbeispiel für zwei Nachbarhäuser im vZEV

Annahmen

  • Haus A hat eine Anlage und speist im Jahr 3'000 kWh Überschuss aus, Haus B verbraucht diese Menge tagsüber
  • Standardstromprodukt des Netzbetreibers 30 Rp./kWh inklusive Netz und Abgaben. Beispielwert, Ihr Tarif steht auf der Strompreiskarte der ElCom.
  • Interner Tarif pauschal 80 Prozent, also 24 Rp./kWh
Haus B ohne vZEV (3'000 kWh x 30 Rp.)CHF 900
Haus B im vZEV (3'000 kWh x 24 Rp.)CHF 720
Ersparnis Haus B pro JahrCHF 180
Erlös Haus A aus dem vZEV pro JahrCHF 720
Umbau der ElektroverteilungKeiner, die Zähler des Netzbetreibers bleiben

Quelle: Pauschalmethode nach Art. 16 Abs. 1 Bst. b EnV. Der Erlös von Haus A ersetzt die Rückliefervergütung des Netzbetreibers für dieselbe Menge. Aktuelle Tarife unter strompreis.elcom.admin.ch. Stand 22.09.2026.

Rechte der Mieterinnen und Mieter

Wahlrecht bei Bestandesmiete

Bestehende Mieter können die Teilnahme ablehnen. Sie bleiben dann Kunden des Netzbetreibers in der Grundversorgung.

Gleiche Preisobergrenzen wie im ZEV

Pauschal höchstens 80 Prozent des externen Standardstromprodukts, bei effektiver Abrechnung höchstens 100 Prozent.

Datenweitergabe nur mit Zustimmung

Der Netzbetreiber gibt die Messdaten einer Partei nur an den Betreiber des vZEV weiter, wenn die Partei der Teilnahme zugestimmt hat.

Echtzeitdaten am Zähler

Die Kundenschnittstelle am Smart Meter muss der Netzbetreiber auf Anfrage innert 10 Arbeitstagen freischalten. Damit lässt sich der Eigenverbrauch steuern.

Typische Situationen

Zwei Mehrfamilienhäuser an einer Verteilkabine

Nur eines der beiden Dächer eignet sich für eine Anlage. Der vZEV versorgt beide Häuser, gemessen vom Netzbetreiber, abgerechnet von der Verwaltung.

Mehrere ZEV zu einem vZEV

Drei Gebäude mit je einem ZEV hängen an derselben Trafostation. Sie schliessen sich zu einem vZEV zusammen und gleichen Überschüsse untereinander aus.

Gewerbe und Wohnhaus

Die Halle produziert am Tag mehr als sie braucht, das Wohnhaus nebenan verbraucht abends. Mit einem Batteriespeicher im vZEV bleibt der Solarstrom in der Nachbarschaft.

Alternative: Praxismodell VNB

Was das Praxismodell VNB ist

Einige Netzbetreiber bieten für Mehrfamilienhäuser ein eigenes Modell an. Die Mieter bleiben Kunden des Netzbetreibers, er misst mit seinen Zählern und stellt Solarstrom und Netzstrom auf einer Rechnung dar. Das Praxismodell ist kein Zusammenschluss zum Eigenverbrauch nach Art. 17 EnG.

Was gleich bleibt

Die Mieter müssen zustimmen. Das Netznutzungsentgelt darf nur auf dem Strom aus dem Netz erhoben werden, und der Solaranteil muss auf der Rechnung transparent ausgewiesen sein.

Was anders ist

Es gibt keine Anmeldung als ZEV und keine private Messung. Die Konditionen legt der Netzbetreiber fest, nicht die Eigentümerschaft. Ob und zu welchen Bedingungen das Modell angeboten wird, entscheidet jeder Netzbetreiber selbst.

Wann es die einfachere Wahl ist

Bei einem einzelnen Mehrfamilienhaus, dessen Netzbetreiber das Modell anbietet und dessen Eigentümerschaft keinen eigenen Abrechnungsprozess will. Sobald Nachbargebäude dazukommen, führt der Weg über den vZEV oder die LEG.

So läuft es mit Free State AG

  1. 01

    Objektanalyse

    Wir prüfen Dach, Netzanschluss und Verbrauchsprofil und klären mit dem Netzbetreiber, welches Modell an Ihrem Standort möglich ist.

  2. 02

    Modellwahl

    Wir zeigen mit Zahlen, ob ZEV, vZEV oder LEG für Ihr Objekt die passende Lösung ist.

  3. 03

    Koordination mit dem Elektrizitätswerk

    Anschlussgesuch, Netztopologie und Anmeldung laufen über uns.

  4. 04

    Messkonzept und Zähler

    Wir planen die Messung und koordinieren Zähler und, wo nötig, den Umbau der Elektroverteilung.

  5. 05

    Verträge und Information

    Wir bereiten Vertragszusatz und Vereinbarungen vor und begleiten die Information der Beteiligten.

  6. 06

    Abrechnung und Betrieb

    Wir koordinieren die laufende Abrechnung, das Monitoring und, wo es sich rechnet, einen Batteriespeicher.

FAQ

Häufige Fragen zum vZEV

Kurz beantwortet, mit Verweis auf EnG Art. 17 und 18.

Ein virtueller Zusammenschluss zum Eigenverbrauch. Mehrere Gebäude an derselben Verteilkabine oder Trafostation teilen sich den Solarstrom. Der Netzbetreiber misst mit seinen Smart Metern, der Betreiber des vZEV rechnet ab.

Seit 1. Januar 2025. Netzbetreiber sind verpflichtet, einen vZEV zuzulassen, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind.

Beim ZEV liegen alle Teilnehmenden hinter einem Netzanschluss und messen mit privaten Zählern. Beim vZEV dürfen es mehrere Gebäude an derselben Verteilkabine sein, gemessen wird mit den Zählern des Netzbetreibers.

Der vZEV nutzt die Anschlussleitungen bis zur Verteilkabine, darauf fallen keine Netzkosten an. Die lokale Elektrizitätsgemeinschaft nutzt das öffentliche Verteilnetz bis auf Gemeindeebene und zahlt dafür ein reduziertes Netznutzungsentgelt.

Nein. Der intern verbrauchte Solarstrom im vZEV gilt als Eigenverbrauch. Netzkosten fallen nur auf dem Strom an, der aus dem Netz bezogen wird.

Auskünfte zur Netztopologie muss er innert 15 Tagen geben. Die Kundenschnittstelle am Smart Meter schaltet er innert 10 Arbeitstagen frei.

Ja. Ein ZEV oder vZEV kann als ein Teilnehmer in eine lokale Elektrizitätsgemeinschaft eingebracht werden. Für die LEG zählt dann nur der Hauptzähler des Zusammenschlusses.

Meist die Grundeigentümerschaft. Sie kann Messung, Abrechnung und Inkasso an eine Verwaltung oder einen Dienstleister geben. Free State AG koordiniert diesen Ablauf von der Anmeldung bis zur Abrechnung.

Passt ein ZEV, vZEV oder eine LEG zu Ihrem Objekt?

Adresse eingeben, Dach und Verbrauch angeben. Wir prüfen mit dem Netzbetreiber, welches Modell möglich ist, und melden uns mit einem Vorschlag.

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